Buchbesprechung/Rezension:

Michael Sommer: Schwarze Tage
Roms Kriege gegen Karthago


verfasst am 23.05.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Geschichte, Sommer, Michael
LiteraturBlog Bewertung:

Von Karthago blieb nicht viel übrig, nachdem die ehemals einflussreiche Stadt an der nordafrikanischen Küsten von den Römern im 2. Jahrhundert v. Chr. erobert und zerstört worden war. Die Punischen Kriege, Hannibal und Scipio Africanus sind zwar Begriffe und Namen, die uns geläufig sind – darüber hinaus sind in diesem Zusammenhang für meisten von uns, mich eingeschlossen, wohl nicht allzu viele Details bekannt.

Ein Grund für dieses Informationsvakuum ist eben genau der Umstand, dass die Römer im Jahr 146 v. Chr. (an diese Jahreszahl kann ich mich tatsächlich noch aus dem Geschichtsunterricht erinnern) derartig gründlich bei der Vernichtung des ehemaligen Widersachers bei der Dominanz über die Region vorgingen. Es blieben nur sehr wenige Dokumente verschont, von der Stadt Karthago selbst nur wenige verkohlte Trümmer. Quellen für den Zeitraum von knapp hundert Jahren, in dem die drei Punischen Kriegen stattfanden, sind somit vor allem römische oder griechische Geschichtsschreiber, wobei die meisten von ihnen erst nach den gegenständlichen Ereignissen lebten. 

Je nach eigenem Standpunkt waren deren Aufzeichnungen von persönlichen oder politischen Einflüssen geprägt, was zu subjektiven Berichten führte, die man oft nicht ungeprüft als historische Wahrheit übernehmen kann. Ein Buch über die Kriege zwischen Rom und Karthago bedarf daher zunächst der kritischen Bewertung der Quellen und dann vor allem einer umfangreichen Detektivarbeit, um die Chronik der Ereignisse möglichst lückenlos zu erstellen.

Michael Sommers Buch verdichtet einhundertzwanzig Jahre (und dazu noch die Vorgeschichte, die ebenfalls ein paar Jahrhunderte umfasst) auf knapp 300 Seiten. Das lässt nicht viel Raum für sprachliche Finessen, die Seiten sind dicht gefüllt mit Daten, Fakten und Namen. Doch einiges muss wegen der einander oft widersprechenden historischen Berichte unklar bleiben und es gibt immer wieder Lücken, denn manches wird in diesen verfügbaren Berichten nur nebenbei erwähnt oder ausgelassen. Diese einhundertzwanzig Jahre waren auch abseits der Auseinandersetzung zwischen Rom und Karthago ein Zeitalter der Kriege und der Neuverteilung der Machtverhältnisse. Michael Sommer bezeichnet es als einen Weltkrieg der damals aus europäischer Sicht bekannten Welt rund um das Mittelmeer.

Es herrscht, wiederum der Quellenlage geschuldet, ein Ungleichgewicht bei der Beschreibung der Kontrahenten. Während es über und aus Rom aus dieser Zeit noch viele Original-Dokumente gibt, kann Karthago meist nur aus der Sicht der anderen betrachtet werden.

So schwierig es nun auch sein mag, Ereignisse zu beschreiben, die mehr als zweitausend Jahre zurückliegen, so spannend ist es nun zu lesen, wie sich die Welt rund um das Mittelmeer in den Jahrhunderten vor dem Beginn unserer Zeitrechnung entwickelte. Der Aufstieg Roms, was die Bürger der Stadt antrieb, den Einflussbereich der Stadt immer weiter auszudehnen. Die Gegenspieler Roms, vor allem Stadtstaaten, die sich aus griechischen und phönizischen Niederlassungen entwickelten. Die Gründung Karthagos und wie sehr sich die beiden stärksten Mächte im dritten vorchristlichen Jahrhundert in Politik und Gesellschaft voneinander unterschieden.

Mit der Niederlage Karthagos war letztendlich der Weg für Rom frei, ein Imperium zu schaffen, dass die gesamte Mittelmeerregion und große Teile Europas umfasste. Die Punischen Kriege waren daher nicht nur ein Konflikt zwischen zwei Regionalmächten, sondern boten für Rom die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten so weit zu verbessern, um in der Folge zur einflussreichsten und wirkungsvollsten Macht der Geschichte werden zu können.

Vor allem beim 16-jährigen Feldzug Hannibals durch Italien gab es eine Vielzahl an Möglichkeiten, dass der Krieg anders enden konnte und Karthago damit die Geschichte Rom frühzeitig beendete. Doch Rom besiegte nicht nur Karthago, sondern weitete seinen unumschränkten Machtbereich in relativ kurzer Zeit über den gesamten Mittelmeerraum aus.

Somit ist die Zeit der Punischen Kriege von wesentlicher Bedeutung für  das antike und auch das neuzeitliche Europa; es wurden die Weichen für Entwicklungen gestellt, die Jahrtausende nachwirken.




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