Angelos Chaniotis: Die Öffnung der Welt
Eine Globalgeschichte des Hellenismus

verfasst am 03.10.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Chaniotis, Angelos, Geschichte

Von Alexander dem Großen bis Kaiser Hadrian spannt sich über einen Zeitraum von beinahe fünf Jahrhunderten diese historische Betrachtung der antiken Welt der Griechen. Fünfhundert Jahre, in denen sich griechische Lebensweise und Kultur zuerst weit über die bisherigen Grenzen hinaus ausdehnte und in denen am Ende Griechenland ein Teil eines noch größeren Reiches, Roms, wurde.

Angelos Chaniotis betrachtet die militärischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen mit außerordenlichem Reichtum an Details und Fakten. Gesetzgebung und Kriegswesen, Bildung und Sport, Kultur und Philosophie – schon mit dieser kurzen Auflistung lässt sich erkennen, dass „Die Offnung der Welt“ tatsächlich eine Globalgeschichte des Hellenismus (so der Untertitel des Buches) ist; und damit sind noch lange nicht alle Themenbereiche aufgelistet, über die zu lesen ist.

Mit einmaligen Durchlesen lässt sicher nicht in allen Details erfassen, was der Historiker Chaniotis dafür zusammen trug. Wobei es auch bemerkenswert ist, wie viel an Informationen aus dieser Zeit tatsächlich überliefert bzw. mit wissenschaftlicher Arbeit zu enthüllen ist – aus einer Zeit, in der das Aufzeichnen von Ereignissen nur einem kleinen Kreis Gebildeter vorbehalten war und die Möglichkeiten zur Überlieferung natürlich nicht annähernd mit denen unserer Teit vergleichbar sind.

Dieses Buch ist das Ergebnis intesiver wissenschaftliche Arebit , das gleichermaßen für Studierende als Unterlage dient, als auch interessierte Nicht-Historiker wie mich, viel, weitgehend unbekanntes Wissen vermittelt (Damit könnte man dann im Freundes- und Familienkreis unter dem Motto „Wusstet ihre eigentlich, dass … “ glänzen).

Was für mich persönlich weitgehend neu war, das ist die detaillierte Geschichte der Diadochenstaaten (denn über das Fakturm deren Existenz ging mein Wissen kaum hinaus), die nach dem Tod Alexanders zwischen Griechenland und Indien entstanden; alleine das wäre schon Stoff für ein ganzes Buch gewesen. Diese Staaten waren steten Veränderungen unterworfen, überhaupt war die Zeit nach Alexander extrem kriegerisch mit einer beinahe unüberschaubaren Zahl an aufsteigenden und vergehenden Reichen, mit politischen Intrigen und andauernden militärischen Auseinandersetzungen.

Während Griechen mit Griechen im Streit lagen, entstanden an der Peripherie ihres Einflussbereiches neue Kräfte, die aus allem Himmelsrichtungen kommend, die Welt der Griechen immer weiter zurückdrängten. Durch innere Konflikte nicht in der Lage, dem etwas entgegen zu setzen, wurde die Welt der Griechen letztendlich vor allem vom Römischen Reich assimiliert (was zu gegenseitigem Kulturaustausch führte); und erst damit konnte Griechenland selbst wieder in eine längere friedliche Phase eintreten.

Es gibt unglaublich viel zu lernen und zu erfahren über diese faszinierende Zeit. So weit all das auch zurückliegen mag: in dieser Zeit entstanden die Grundlagen Europas, so wie wir es heute kennen. Das ist schon Grund genug, sich diesem Buch zu widmen. Bei aller Informationsmenge, mit der man beim Lesen schier überflutet wird, bleibt „Die Öffnung der Welt“ doch gut lesbar und übersichtlich.

Ein kleiner Kritikpunkt bezieht sich auf das Kartenmaterial im Anhang. Einige dieser Karten finde ich als recht unübersichtlich – da wäre eine besser erkennbare regionale Abgrenzungen von Staaten und Einflussbereichen hilfreich gewesen.

Für mich wird dieses Buch sicherlich, nachdem ich es nun gelesen habe, ein wertvolles Nachschlagewerk bleiben und stets in Griffweite platziert.



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