Buchbesprechung/Rezension:

Yuval Noah Harari: Sapiens - Die Falle


verfasst am 05.11.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Comic & Graphic Novel, Harari, Yuval Noah, Naturwissenschaft
LiteraturBlog Bewertung:

Der zweite Band der von Yuval Noah Harari verfassten Geschichte der Menschheit befasst sich mit der Entstehung von Gesellschaften, davon, wie Menschen lernten, miteinander in großen Gemeinschaften zusammenzuleben, wie Regel und Gesetze in immer größerem Umfang entstanden, um die immer komplexer werdende Konstruktion unserer Zivilisation zusammenzuhalten.

Das alles lässt sich in einzelne Abschnitte einteilen, die historisch betrachtet, aufeinander aufbauen. Das sind, unter anderen, ….

Lektion Nr. 1: Der Weizen ist schuld
Zuerst waren es nur ein paar Körner am Wegesrand, die den Menschen – damals noch Jäger und Sammler – ins Auge fielen. Diese Körner konnte man auch sammeln und essen. Mehr mehr fielen auf den Boden, schlugen Wurzeln, wuchsen und produzierten noch mehr Körner. Irgendwann hielt es ein Mensch für eine gute Idee, die alles aufzusammeln und zu lagern. Und jemand anders kam auf die Idee, die Körner auszusäen … wir kennen die Geschichte, die zu festen Ortschaften, zu Kriegen um Einfluss, zum Wunsch nach immer mehr Besitz und zu immer mehr Menschen führte. Als Erben dieser Entwicklung haben wir heute Pandemien, Umweltzerstörung und dauernde Kriege mitbekommen; danke dafür, Weizen!

Lektion Nr. 2: Leben auf Kosten von Tieren
Vor  10.000 Jahren begann ein unbekannter Mensch an einem unbekannten Ort damit, das Schicksal von Hühnern, Kühe, Schafen und Schweinen für alle Zeiten zum schlechteren zu wenden.
In den Auswüchsen der Nutztierhaltung zeigt sich der Egoismus der Menschen auf unglaublich vielfältige W3eise. Am Ende sind es immer die Tiere, die darunter zu leiden haben, weil das billige Schnitzel (möglichst auch noch im Sonderangebot gekauft) für so viele Leute wichtiger ist als einen Gedanken an das Leid zu verschwenden, das dahinter steht.

Lektion Nr. 3: Opium fürs Volk
Wenn die Landwirtschaftliche Revolution auch schon 12.000 (oder noch mehr) Jahre zurückliegt, dann ist doch so ziemlich alles , was unser Leben und Denken heutzutage bestimmt, eine Folge davon. Spricht man von Opium, dann ist nicht unbedingt das Rauschmittel gemeint. Opium sind vielmehr auch Traditionen, Religionen, Hierarchien, mit deren Hilfe eine kleine Gruppe von Menschen die Mehrheit mit anscheinend natur- oder gottgegebenen Lebensmodellen sosehr indoktrinieren, dass diese am Ende das alles für unabänderlich halten. So enstanden Religionen, Herrschaftssysteme, aber auch Rassismus, Diskriminierung von Frauen, Homophobie. Irgendwer begann damit, eine Geschichte zu erfinden (berief sich dabei auf angebliche Götter oder Naturgesetze), immer mehr glaubten diese Geschichte und bald hielten es all für eine schon ewig währende Selbstverständlichkeit. Dabei sind aber diese „Selbstverständlichkeiten“ von Land zu Land unterschiedlich. Sehr ausführlich widmet sich Harari dem Rassismus in den USA.

Die Geschichten, in denen das erklärt und mit Beispielen untermauert wird, sind so amüsant wie lehrreich und erhellend. Freude macht dabei  auch der Ideenreichtum, mit den die wissenschaftlichen und historischen Erkenntnisse präsentiert werden. Immer wieder ganz neue Szenarien, manchmal ein Zwiegespräch zwischen einem unsere Vorfahren und einem Jetzt-Menschen, manchmal begegnet man einem Superhelden, der durch die Zeit fliegen kann.

Auf diese Weise sind Zusammenhänge noch deutlicher erklärbar und werden noch deutlicher sichtbar. Wie sich Gesellschaften und Zivilisationen aus den ersten Anfängen entwickelten, wie es vieler Zufälle bedurfte, um zu dem heutigen Ergebnis zu kommen und dass es nur ein paar weniger anderer Richtungswechsel bedurft hätte, um in einer vielleicht besseren Welt zu leben, als in jener, die wir uns über tauende Generationen hinweg erschaffen haben. Oder aber in einer schlechteren, wer weiß das schon …

Hararis Leitgedanke ist, dass das Zusammenleben nur funktioniert, weil alles auf Fiktionen beruht. Regeln, Gesetzte, Verhaltensweisen, ganze Staaten, einzelne Unternehmen: an alles muss eine größere Menge glauben, damit es im Ganzen funktioniert. Was passiert, wenn man nicht daran glaubt, das sieht man beispielsweise an Börsenkursen oder an den Verschwörungstheorien (die die Spaltung der Gesellschaften zum Ziel haben).

Sapiens – Die Falle: vielleicht auch als Lehrbuch für den Ethik-Unterricht geeignet, in jedem Fall aber eine sehr anschauliche Zusammenfassung der Ereignisse, wie die Menschen zu dem wurden, was sie heute sind.




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