Buchbesprechung/Rezension:

Tibor Zenker: Sherlock Holmes und die ägyptische Mumie
Die neuen Fälle des Sherlock Homes. Von Tibor Zenker Band 1


verfasst am 22.03.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Zenker, Tibor
LiteraturBlog Bewertung:

Sherlock Holmes-Geschichten in der Fassung des 21. Jahrhunderts. Tibor Zenker hat Arthur Conan Doyles Detektiv entstaubt, moderner gemacht, und lässt ihn als unverändert genialste Detektiv der Welt im London am Ende des 19. Jahrhunderts ermitteln.

Doyles Originalgeschichten sieht man oft ihr Alter an, wenn er Holmes‘ Arbeit in einer Weise beschreibt, die heutzutage weniger für Staunen sorgen, sondern gelegentlich als übertrieben und unnatürlich erscheinen. Das Facelifting bringt neuen Schwung in die Kriminalfälle.

Sechs neue Fälle beschäftigen Holmes und Dr. Watson, die man in sechs Kurzgeschichten nachlesen kann. Nicht nur der Sprachstil ist anders als im Original, auch die Charaktere haben sich weiter entwickelt. Holmes und Watson sind lockerer, Watson erzählt (er ist noch immer der Chronist von Holmes‘ Fällen) mit Augenzwinkern. Das macht alles flotter, amüsanter, weil auch Holmes nicht mehr ganz der knöcherne, humorlose Geselle ist, als der er einst die Romanwelt betrat.

Es gibt noch einen wesentlichen Unterschied zu den Original-Geschichten: Arthur Conan Doyle kannte sich im London der 1880er-Jahr natürlich gut aus, seine persönlichen Eindrücke finden Niederschlag in den Krimis. Tibor Zenker kann diese Eindrücke nur aus der zeitlichen und räumlichen Ferne nachempfinden, womit Ort und Zeit nicht mehr ganz so authentisch wirken (Eigentlich hätte man Holmes und Watson auch gleich in die Jetztzeit transferieren können).

Mit persönlich sagen Zenkers Geschichten weit mehr zu, als die Originale (die einander doch immer sehr ähneln). Weil Holmes darin auch manchmal recht knapp an Fehlern vorbeischrammt (ja, wirklich, der neue Holmes ist zwar weiterhin der geniale Beobachter und Kombinierer, aber auch nur Mensch).

In Sherlock Holmes und die proletarische Revolution kommt es zu einer Begegnung mit Friedrich Engels und Dr. Watson meint bei seinem Freund Holmes bald so etwas wie sozialistische Ansichten zu bemerken; aber das kann nicht sein, oder? Was man mit exotischen Pflanzen so alles anstellen kann, findet man in Sherlock Holmes und die königlichen Gärten heraus. Diesmal hat Dr. Watson den Fall bereits gelöst, doch leider vergessen, wie: Das ist die Folge seine etwas übertriebenen Verkostens im Zuge von Ermittlungen in einer Whiskey-Brennerei in Schottland, wohin es ihn und Holmes in Sherlock Holmes und das Wasser des Lebens verschlägt. Um diplomatische Verwicklungen zu vermeiden, engagiert die japanische Gesandtschaft in London den berühmten Detektiv in Sherlock Holmes und der japanische Gesandte. Holmes und Watson klären auf, wer die Familie Collingwood ausrotten möchte; sogar das Leben der beiden ist in Sherlock Holmes und der Fluch des Vampirs bedroht. Abergläubische Menschen würden beim Verschwinden einer alten ägyptischen Mumie vielleicht dunkle Kräfte am Werk sehen; nicht so der Detektiv in Sherlock Holmes und die ägyptische Mumie.

Zenkers Sherlock Holmes-Krimis gefallen mir weitaus besser als die Originale, sie machen einfach mehr Spaß und wirken lebensechter (und nehmen sich nicht ganz so ernst). Kunstvoll konstruierte Fälle im detailreiche Spannung finden sich zwar hier nicht – das ist in jeweils 40- bis 50-seitigen Kurzgeschichten auch nicht zu erwarten. Doch ein kurzweiliges Lesevergnügen, inklusive einer ganzen Menge an Schmunzel-Momenten,  ist auf jeden Fall garantiert!




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