Maria Regina Kaiser: Selma Lagerlöf
Die Liebe und der Traum vom Fliegen

verfasst am 31.10.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Biographie, Kaiser, Maria Regina

Sie wollte es den Vögeln gleich tun und den Menschen ermöglichen, zu fliegen. Sie wollte eine Flugmaschine konstruieren. Es kam aber anders. Schon als junges Mädchen schrieb sie bemerkenswerte und beachtete Gedichte. Sie erzählte jedem, sie wolle Schriftstellerin werden und einmal den Nobelpreis gewinnen.

Selma  Lagerlöf wuchs in einem gut bürgerlichen Haus auf, mit einem toleranten Vater. Die Toleranz ging aber nicht so weit, dass er seiner zweitjüngsten Tochter erlauben wollte, Schriftstellerin werden konnte. Seiner Ansicht nach  war Frauenemanzipation etwas völlig Unmögliches.

Er vertrat auch die Meinung, dass das Wahlrecht für Frauen unsinnig sei, ja sogar gefährlich. Frauen ohne Mann und ohne Kinder, unmöglich. Das wäre das Ende der Zivilisation. Das war Selmas Vater, der sie abgöttisch liebte, und ihr beinahe ihr Leben ruiniert hätte. Ein Mann, der als ehemaliger Offizier  mit dem zivilen Leben  nicht ganz zurechtkam und am Ende seines Lebens dem Spiel und Alkohol verfallen war.

Selma kam mit einem Handicap zur Welt – sie hinkte. Hier zeigt die Autorin, sehr intensiv, die Familienzusammengehörigkeit auf. Alle versuchen dem Mädchen zu helfen. Nach mehreren Anläufen gelingt es.

Maria Regina Kaiser, bekannt durch ihre  historischen Romane, z. B. über Martin Luther oder Hildegard von Bingen, hat mit der Romanbiografie über Selma Lagerlöf  ein Buch mit viel Einfühlungsvermögen geschrieben, das die Vielschichtigkeit der Schriftstellerin Selma Lagerlöf anschaulich darstellt. Jene Frau, die mit „Die wunderbare Reise des Nils Holgerson mit den Wildgänsen“, einen Welterfolg schrieb.

Auch Lagerlöfs  Privatleben entsprach nicht den geltenden Konventionen – sie lebte mit zwei Frauen zusammen, eine Form des Zusammenlebens, die damals sicher nicht problemfrei war. Lagerlöf setzte sich für sozial Schwächere ein, sie kämpfte für die Frauenrechte, sie war eine sehr politische Frau. Sie war eine vehemente Befürworterin für das Frauenwahlrecht – ab 1921 durften die Frauen in Schweden dann endlich auch wählen.

Auf ihren Reisen sammelte sie Material für ihre Bücher. 1909 erhielt sie den Literatur-Nobelpreis. Selma Lagerlöf  lebte das Leben einer erfolgreichen Schriftstellerin, der das Geld, welches sie mit Ihrer Kunst verdiente, ein angenehmes Leben ermöglichte.

Dieses Buch spiegelt das Leben und die Geschichte des Endes des 19. Jahrhunderts wider und den Eintritt in das 20. Jahrhundert mit all seinen Errungenschaften von Menschenrechten, aber auch all seinen Gräueln. Die Welt befand sich in einem Umbruch, die Frauen kämpften für ihre Rechte, der Erste Weltkrieg zerstörte die bekannte Weltordnung und dann zeigte der Nationalsozialismus sein düsteres Gesicht.

Maria Regina Kaiser versteht es, in überaus verständlicher Form über alles das zu schreiben, sodass man das Buch sehr leicht liest und ausführliche Informationen über das Leben von Selma Lagerlöf erhält. Ein ausführliches Nachwort und ein Anhang mit Bildern geben einen tieferen Einblick in das Leben der Nobelpreisträgerin.



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