Petra Ivanov: Entführung

verfasst am 01.09.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Ivanov, Petra, Kriminalromane

Schauplatz des Geschehens ist die Schweiz. Dort lebende, zum Teil extrem radikalisierte Islamisten stehen im Fokus der Polizei – noch mehr seit der Entführung von Lara Blum.

Warum wurde Lara Blum entführt? Ihr Entführer wurde zwar gefasst und sitzt im Gefängnis, doch damit beginnt erst die spannende Geschichte. Es braucht einige Zeit und etliche Seiten, um auf die Ursache und den Initiator dieser Entführung zu kommen.

Petra Ivanov versteht es, geschickt Spuren zu legen, die jedoch nicht direkt zur Ursache der Entführung und zur Auffindung des Mädchens führen.

Die Polizei befindet sich im Ausnahmezustand: handelt es sich um ein Sexualverbrechen oder um Terrorismus? Es gibt weder für das eine noch für das andere eindeutige Anhaltspunkte.

Dem verhafteten Entführer wird ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt – Pal Palushi, ein Moslem, der wohl gläubig, aber keineswegs radikal ist. Auch sein Klient ist Moslem, ein Konvertit. Gebunden an die anwaltliche Schweigepflicht, kann Palushi einen versteckten Hinweis, den er von seinem ansonsten sehr schweigsamen Klienten erhält, nicht verwenden.

Zwischendurch erfährt man auch einiges über die Familie des Anwalts. Darunter auch etwas über seinen Neffen Rinor, der gerade dabei ist, sich zu radikalisieren und der seine bisherigen Werte über Bord wirft. Jasmin, Pals Freundin, eine ehemalige Polizistin, steht ihrem Freund zur Seite, um ihm mit ihren Recherchen bei der Lösung des Falles zu helfen.

Die Autorin fügt immer wieder Kapitel ein, die von einer Familie erzählen, deren Tochter vor einigen Jahren ums Leben gekommen ist, es entwickelt sich eine zweite Erzählebene, doch worin der Zusammenhang zu der Entführung von Lara Blum besteht, erschließt sich erst später.

Mit aufschlußreichen Einblicken in die islamistische Szene in der Schweiz wird man von Petra Ivanov immer weiter und tiefer in die verwirrende Geschichte eingeführt. Und immer wieder taucht der Name Faisal – zu deutsch Richter – auf. Ein Islamist, dem radikale Tendenzen unterstellt werden. Aber ist er tatsächlich ein radikaler Islamist?

Und da eröffnet sich eine Verbindung zu Familie Richter, ihre Tochter ist das Mädchen, das bei einem Festival in Frankreich durch einen islamistischen Bombenanschlag zu Tode gekommen ist.  Nun beginnt sich langsam der Kreis zur Entführung von Lara Blum zu schließen.

„Entführung“ ist ein Roman über Familiendramen, über die Gewissenskonflikte eines aufrechten Anwalts, über seine zeitweise dramatische Beziehung zu seiner Freundin und über die Energie dieser Frau, die durch ihren Mut letztendlich zur Aufklärung der Entführung und deren Ursachen beiträgt. Sie selbst war vor einiger Zeit Opfer einer Entführung geworden und musste Monate in der Gewalt des Entführers verbringen.

Die  Berichte über die radikale islamistische Szene zeigen den ungemein gefährlichen Einfluss auf, den diese Extremisten besonders auf Jugendliche ausüben. Und das nicht nur in der Schweiz.

Petra Invanov vermittelt mit ihrer eindringlichen Sprache und wohl auch mit ihrer fundierten Kenntnis über die Umtriebe einer Gruppe von Islamisten in der Schweiz ein erschreckendes Bild über die Abgründe von Fanatismius, geprägt durch die falsche Interpretation einer Religion. „Entführung“ ist für mich nicht nur ein spannender Roman, sondern auch eine dramatische Erzählung über negative Einflüsse von Menschen, die andere an den Rand des Abgrundes und auch beinahe um ihre Existenz bringen.



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