Buchbesprechung/Rezension:

Bob Woodward, Robert Costa: Gefahr
Die amerikanische Demokratie in der Krise


verfasst am 23.02.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Costa, Robert, Politik, Woodward, Bob
LiteraturBlog Bewertung:

Gefahr für die Demokratie in den USA – dabei denkt man unwillkürlich an Trump. Doch so einfach ist das nicht, der Ex-Präsident ist nur ein – wenn auch abstoßendes – Symbol, für den ganz allgemeinen Verfall der demokratischen Werte und des demokratischen Staatswesens im Land.

Das Buch betrachtet einen Zeitraum von ca. 2 Jahren rund um die US-Präsidentenwahl 2020. Trump wird darin nur ein Teil gewidmet, der Hauptdarsteller in oft Joe Biden, als Nebendarsteller fungieren die politischen Funktionsträger im US-Kongress. Bidens Wahlkampf, Trumps Agieren während der Corona-Krise, Trumps Versuche, den Wahlausgang durch Betrug umzustoßen und Bidens erste Monate in Weißen Haus – Aus einer Vielzahl an Erinnerungen und Aufzeichnungen der Beteiligten werden die dahinter stehenden Diskussionen und Auseinandersetzungen nachgezeichnet.

Man darf sich nicht allzu viele neuen Erkenntnisse erwarten, vielmehr liest man ergänzende Informationen und eine sehr detaillierte Chronik des Wahlkampfes, der Vorgänge rund um die Wahl selbst und wie Joe Biden durch rasches Agieren wenigstens einen Teil der falschen Maßnahmen der Trump-Regierung aufheben konnte.

Was sich aus allen diesen Details ganz klar herauslesen lässt, das sind ein paar grundlegende Vorgänge bzw. Zustände, an denen es in den Vereinigten Staaten krankt.

  • Politische Funktionsträger sind in prekärer Weise ausschließlich ideologisch orientiert, es stehen praktisch immer die eigene Agenda und der Machterhalt im Fokus und nicht das Wohl der Menschen
  • Das System aus nur zwei Parteien (Demokraten und Republikaner) führt die Politik immer wieder in Konfrontationen, weil sich keine neuen politischen Bewegungen etablieren können. So ist das Auftreten jeder Partei immer nur ein schaler ein Kompromiss aus unzähligen Strömungen innerhalb.
  • Die Republikaner entwickeln sich unter (aber nicht erst seit) Trump  immer schneller zu einer Partei, die unter dem Einfluss rechtsextremer Kräfte steht. Trump ist dabei nur einer der Protagonisten, es gibt immer mehr Rechtsextreme, die in der Partei aufsteigen.
  • Die Republikaner sind dabei, das Wahlrecht in den von ihnen regierten Staaten so anzupassen, dass demokratische Mehrheiten erschwert werden
  • Und vor allem: immer größere Teil der vorrangig weißen Bevölkerung wenden sich extremistischen Standpunkten zu, sei es politisch oder religiös. Aktuelles Beispiel: Verbote von bestimmten Büchern in Schulen.

Nun ist es natürlich auch in Europa so, dass in den vergangene Jahrzehnten die Rechtspopulisten und Rechtsextremisten mit simplen Parolen immer mehr Zulauf bekommen haben, doch die vielfältige Parteienlandschaft ermöglicht bei uns, dass in wechselnden Kooperationen gearbeitet werden kann. Kooperation, die in der US-Politik praktisch ausgeschlossen ist, denn das früher durchaus verbreitete Handeln „Across the Aisle“ ist praktisch verschwunden (Reine Blockadepolitik durch die Republikaner wurde tatsächlich zur alleinigen Politik unter Präsident Obama, als Konsequenz eines unverhohlenen Rassismus).

„Gefahr“ ist eine Zusammenfassung, eine Momentaufnahme, die in vielen Details die Vorgänge im bestehenden politische System dokumentiert und damit auch erklärt. Da aber gerade über die Vorgänge rund um den 6. Jänner 2021 laufend neue Fakten in allen Medien veröffentlicht werden, ist das Buch, obwohl gerade erst schienen, schon in vielen Abschnitten nicht mehr vollständig.

Was aber als klar erkennbare Realität bleibt, das ist die tatsächlich reale Gefahr für die USA als Demokratie.




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