Georges Simenon: Maigret als möblierter Herr

verfasst am 01.01.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Simenon, Georges

Frau Maigret ist für einige Tage zu ihrer Schwester ins Krankenhaus gefahren, in Paris ist die Lage ruhig und Maigret fühlt sich ein wenig verloren in seiner Wohnung. Auch ein Streifzug durch Kino und Bars ändert daran nichts. Beinahe schon freudig nimmt er den Anruf aus dem Kommissariat entgegen – wenn es nur nicht darum ginge, dass sein enger Mitarbeiter Inspektor Janvier niedergeschossen wurde.

Nur ein einfacher Überwachungsauftrag war es, der Janvier nun beinahe das Leben kostete. Die Pension der Madame Mademoiselle Clément zu überwachen, in der sich ein kleiner Ganove  einquartiert hatte; man wollte ihn dort verhaften, sobald er auftauchte. Doch der Ganove kam nicht, statt dessen wurde Janvier von einem Unbekannten angegriffen. Niemand sah etwas, niemand hörte etwas, obwohl es in der Pension und den umliegenden Häusern genügend Zeugen gegeben hätte.

Maigret quartiert sich in der Pension ein, um das Rätsel zu lösen: wie konnte in einer lauen und ruhigen Nacht, in der die meisten Menschen die Fenster geöffnet hatten, jemand geräuschlos verschwinden. In einer Straße, in der man sonst jeden Schritt schon von weitem ganz genau hören konnte.

Ein bedächtig ermittelnder Kommissar in einem ruhig dahingleitenden Roman. Die Bewohner der Pension, die Nachbarn, die Geschäfte und Lokale in der Umgebung. Maigret lernt sie alle kennen, macht sich seine Notizen, rekonstruiert den Abend des Anschlages auf Janvier Minute für Minute.

Es geschieht kein Mord, es ist vielmehr ein Roman über ein kleines Gretzel in Paris. Mit den Menschen, die sich hier versammeln, ein Bild des typischen Lebens einer typischen Straße im Jahr 1951. Aus dieser Mischung von Krimi und Studie des Alltäglichen schrieb Simeon einen ganz tollen Roman, der für mich tatsächlich zu den Highlights aus der Maigret-Reihe gehört.

Ein schmales Buch und ein wirkliches Lesevergnügen (schade, dass dieser Roman derzeit nur gebraucht zu bekommen ist – ich hatte ihn mir vor ein paar Jahren schon auf Vorrat zugelegt, als der Diogenes-Verlag alles Maifgrets neu auflegte.)


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