Erwin Wagenhofer, Sabine Kriechbaum, André Stern: Alphabet
Angst oder Liebe

Wettbewerb heißt die Zauberformel in der kapitalistischen Gesellschaft. Das ist nicht neu. Trotzdem rüttelt dieses Buch auf und bringt einen Perspektivenwechsel mit sich. Über das Bildungssystem werden wir Menschen ständig in Konkurrenz geschickt – denn die Gewinnerinnen und Gewinner sind jene, die mit schulischen Bestnoten glänzen, die Eliteunis abschließen.

Nur 2 Prozent der Menschen im Erwachsenenalter verfügen über eine ausgeprägte Kreativität. Und das, obwohl wir – angeblich – fast alle als hochbegabte Wesen geboren werden. Woran das liegt? Laut Autoren daran, das wir vorgefasste Meinungen, Werturteile und Glaubenssätze unserer Umgebung übernehmen. Das soziale Umfeld, das uns mitgibt, war gut und schlecht, richtig und falsch, schön und hässlich, erwünscht und unerwünscht ist, beeinflusst uns und so kommt es quasi zum Erstickungstod unserer Kreativität.

Mit welchem „Alphabet“ wir ausgerüstet werden beginnt im Bildungswesen. Und in diesem Buch geht es nicht darum was Bildung an sich ausmacht – sondern es geht um eine Haltung, denn Bildung wird zur Verfügung gestellt – allerdings manchmal in bedenklicher Form.

Antonin, dem Sohn von André Stern, wird zwischen Kapiteln um unterschiedliche Sichtweisen zum Bildungswesen viel Aufmerksamkeit geschenkt. Das Aufwachsen des Jungen erscheint mir etwas zu „rosa“ gefärbt und liest sich als Privileg der Eltern.

Dem gegenüber stellen die Autoren beispielsweise die Dressur chinesischer Kinder zu Hochleistungswissenden als Gegenpol, dies bringt eine Diskussion zwischen den beiden Polen Zwang und Laissez-fair in Bewegung. Diese beiden Extreme regen an zum Nachdenken über die Freiheit von Bildung. Erfahrungen machen und Weltanschauungen entwickeln dürfen.

Die Angst, dass uns die Chinesen/Asiaten überholen und wir bald ein Schwellenland sind, damit argumentiert nicht nur die Politik, sondern auch die Wirtschaft. Brav gehorchen wir – denn Angst ist der Motor des Gehorsams.

Ein sehr empfehlenswertes Buch für Leserinnen und Leser, die kontroverse Thesen selbst hinterfragen wollen.

Auch der Film ist sehenswert!



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