Michael Köhlmeier: Drei Depeschen gegen den Krieg

Drei kleine Erzählungen über die seit ewigen Zeiten andauernde Gewalt, die Menschen Menschen antun. Es geschieht seit Ewigkeiten, gerade jetzt hat man den Eindruck, als gäbe es ausser den täglichen Nachrichten über Gewalt an allen Orten auf der Welt gar nichts mehr, das berichtenswert wäre. Wir erleben die Gewalt heute und könnten meinen, sie gewinnt immer mehr Raum.

Wenn Michael Köhlmeier diese drei kurzen Erzählungen veröffentlicht, jede nur ein paar Seiten lang, dann spannt er damit den Bogen über die Jahrhunderte, deren Gemeinsamkeit genau diese Gewalt ist.

Der 30-jährige Krieg, in dessen Verlauf die Stadt Magdeburg im Jahr 1631 ausgelöscht wurde; die Stadt zerstört, die Menschen umgebracht und es ist der Glaube – Protestanten gegen Katholiken – der dafür als Rechtfertigung herhalten muss; unvorstellbare Unmenschlichkeit im Namen des Christentums und im Namen Gottes.

Der US-Amerikaner, der sich dem Islam anschloss. Einer, der sich, von der Welt enttäuscht, aufmachte, im Koran die Wahrheit zu finden und der hineinrutschte in die Welt der verbohrten und wirren Vorstellungen der Fundamentalisten. John Walker – oder wie er sich nach der Konvertierung zum Islam selbst nannte: Sulayman al-Faris – wurde als der amerikanische Taliban bekannt. Islamischer Fundamentalismus traf nach 9/11 auf den Fundamentalismus und die Charakterlosigkeit der Bush/Cheney-Regierung und John Walker wurde ein Opfer gleich beider Extreme.

Und die alte, sich immer wiederholende Geschichte über die Soldaten, den Krieg und das Sterben mit Hurra!, bei dem es selbst dem Tod zu viel wurde.

Michael Köhlmeiers zu Papier gebrachte Gedanken sind eine sehr prägnante, sehr treffende literarische Analyse unserer Gegenwart, in der Fundamentalismus, Ausgrenzung und das Unvermögen zum Diskurs unwiderstehlich auf dem Vormarsch zu sein schein. Mit wenigen Worten ist enorm viel gesagt!

Sollte man unbedingt lesen – es räumt die eigenen Gedanken auf.


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