Benedikt Narodoslawsky: Inside Fridays for Future
Die faszinierende Geschichte der Klimabewegung in Österreich

Das 21. Jahrhundert erscheint wie die Aneinanderreihung von Krisen. Viele gehen vorüber, eine davon ist aber gekommen um zu bleiben: die Klimakrise.

Die weltweite Bewegung zur Umkehr in der Klimapolitik ist vordergründig mit einem Namen verbunden: Greta Thunberg. Doch FridaysForFuture (FFF), Global 2000, Greenpeace, Extinction Rebellion und wie die laufend zahlreicher werdenden Umweltbewegungen auch heißen, sie alle sind natürlich weitaus mehr als die Person der jungen Schwedin.

Thunberg hat die Umweltbewegungen nicht erfunden, aber es ist ihr gelungen, das Thema in die Hauptnachrichten zu bringen, wo es seitdem geblieben ist. Ein Grund dafür ist auch, dass sich anscheinend eine gehörige Anzahl von Menschen von Thunberg und ihrer Botschaft bedroht fühlen und mit Aggression, Hetzen, Drohungen und Lügen darauf reagieren. Ganz wie diejenigen, die jungen Menschen das Recht absprechen wollen, für das Klima und damit die Zukunft unserer Zivilisation zu demonstrieren.

„Inside Fridays for Future“ erzählt nicht nur, wie die Bewegung in Österreich entstand und rasant an Zulauf gewann. Mit einer Zusammenfassung über den tatsächlichen Zustand der Welt über die wissenschaftliche fundierten Prognosen über die nahe und ferne Zukunft findet man eine prägnante und nachvollziehbare Bestandsaufnahme. Hier finden sich auch ein ganze Menge an Argumenten, mit denen man notorischen Leugnern des Klimawandels und Verbreitern von Verschwörungstheorien gegenübertreten kann – sehr hilfreich, denn jeder einzelne, der die Problematik versteht, kann mithelfen, etwas zu verändern.

Ein Kapitel widmet sich den Menschen, die an mehreren Orten in Österreich damit begannen, die Bewegung zu gestalten und mit ihrem Engagement am Ende beeindruckende Demonstrationen organisierten – natürlich geht es auch um diejenigen, denen die Umwelt und das Morgen egal sind und die nur ihr bequemes Leben weiterführen möchten (wozu auch diverse finanzstarke Lobbyisten-Gruppen gehören).

Wie sich zeigte – und am auffälligsten gerade in Österreich – änderte sich die Stimmungslage in der Bevölkerung sehr rasch. Die Klimakrise wurde immer mehr Menschen bewusst und immer mehr waren und sind überzeugt, dass Gegenmaßnahmen zum Klimawandel so rasch wie möglich eingeleitet werden müssen. In Österreich kam mit dem Ibizia-Video ein „hilfreicher“ Skandal hinzu: es wurde die korrupte Grundhaltung der Rechtsnationalisten aufgedeckt und das Stimmenpotential der FPÖ dadurch stark zusammen gestutzt. Weil die Grünen zum selben Zeitpunkt nicht nur – wieder – auf ihren USP, die Umwelt, setzten, sondern auch personell wieder an Glaubwürdigkeit gewannen, war es Österreich, dass als erstes Land – nach vielen Jahren des globalen Aufschwunges der Rechtsnationalisten – die politische Umkehr schaffte.

Das Buch beschreibt, wie es zu Anfang nur weniger engagierter Menschen bedurfte, um große Veränderungen zu initiieren. Sie mussten nur die richtigen Argumente haben und sie benötigen auch Glück und Unterstützung. Diese wenigen schafften den Nukleus für eine Bewegung, die beweist, dass man nicht nur mit Ausgrenzung, Populismus und Lügen, eben so wie es die Rechtsnationalisten im Zuge der Flüchtlingskrise geschafft hatten, eine breite Öffentlichkeit gewinnen kann, sondern auch mit Fakten, Wissen und Gemeinsamkeit.

Und mich persönlich freut dabei vor allem, dass offensichtlich wird, wie konzept- und hilflos und lächerlich FPÖ, AFD und sonstige Gesinnungsgenossen sind, wenn es um Themen geht, die tatsächlich wichtig für unsere Zukunft sind.

In vielen Details beschreibt Benedikt Narodoslawsky die internen Diskussionen, wie unterschiedliche Meinungen und Interessen abgewogen wurden, wie man zu Ergebnissen kam. Eine Herausforderung war die regionale, nationale und internationale Abstimmung der Herangehensweise. Ein Nebenschauplatz war und ist, wie man sich von Trittbrettfahrern abgrenzen kann, die #FridaysForFuture einfach als Slogan für eigene Marketingkampagnen missbrauchen, ohne auch nur ansatzweise etwas mit den Zielen von FFF zu tun zu haben.

Es kann wohl uneingeschränkt angenommen werden, dass FFF einen maßgeblichen Anteil am Erfolg Grüner Parteien hatten, mit dem Höhepunkt den großen Klima-Demonstrationen in der Woche vor der  Nationalratswahl 2019. Weil aber eines der Charakteristika der Bewegung ist, dass sie vor allem von Schülern und Studenten getragen wird, ergibt sich genau aus diesem Umstand auch eine Schwäche: denn, wie es im Buch nachzulesen ist, führt die eigene Lebensplanung viele der engagierten Köpfe in eine andere Richtung und sie gehen damit für FFF verloren. Nach der Wahl wurde es sukzessive ruhiger um FFF – die Herausforderung ist nun, den Druck auf Entscheider wieder neu aufzubauen. Daran wird es sich entscheiden, ob FFF weiterhin eine Stimme hat, die gehört wird.

Neues Jahr – neue Krise: was wird nach dem Ende der Corona-Krise geschehen?
Werden wir die Chance nützen und die Hilfsgelder auch dafür nützen, um einen Neustart in Sachen Klimapolitik zu vollziehen?
#AllDaysForFuture!



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