Clemens Sedmak: Das Land, in dem die Wörter wohnen

verfasst am 22.02.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Märchen, Sedmak, Clemens

Vielleicht ist ein Märchen wirklich der beste Weg, um über die derzeit bestimmenden Formen des Zusammenlebens und der Kommunikation zu schreiben. In einer Zeit, in der eine andere Meinung viel zu oft umgehend als schlecht, falsch, dumm, extremistisch bezeichnet wird, in der Argumente der anderen immer weniger gehört werden, bringt uns vielleicht ein Märchen dazu, wieder zuzuhören.

Vor wenigen Jahren dachten nur die wenigsten daran, solche Wörter zu verwenden, so mit ihrem Mitmenschen umzugehen, so zu beschimpfen, zu beleidigen, zu bedrohen. Sieht man sich heute die Wortmeldungen in den sozialen Medien an oder in den öffentlichen Foren (zB. der Online-Zeitungen), dann könnte man es mit der Angst zu tun bekommen. Was wohl, wenn man denjenigen, die dort so zügellos auf andere losgehen, in der wirklichen Welt begegnet?

Es wurde also höchste Zeit, dass die Wörter beschlossen, sich aus dieser verrohenden Welt der Menschen zurück zu ziehen. Nicht nur die Wörter, die für Bösartigkeiten oder Aggression stehen, nein alle Wörter, auch die, die für das Gute, das Gemeinsame, das Miteinander und das Ausgleichende stehen. In Clemens Sedmaks Märchen „Das Land, in dem die Wörter wohnen“  lesen wir, wie sich das Schweigen über die Welt ausbreitet.

Es begann mit der Verrohung der Sprache und die kam mit der Anonymität des Internets. Es verroht die Sprache und jeder kann Lügen erfinden und sie verbreiten; und jeder, der das tut , wird massenhaft solche finden, die – willig und mit Geifer um den Mund – dieses weiter verteilen und weiter befeuern. Fakten und Tatsachen werden in Frage gestellt, nur weil ein einzelner willkürlich (oder aus purem Eigennutz) behauptet, es anders zu wissen.

Wenn einflußreiche Politiker tagtäglich das bislang Unsagbare zur neuen Norm machen, dann ist es nur zu folgerichtig, dass der Ausdruck „Das wird ja wohl noch sagen dürfen“ zum Un-Satz und Un-Sinn der letzten Jahre wurde.

In Sedmaks Märchen beraten die Wörter, wie sie mit dieser so verfahrenen Situation umgehen können. Wie sie die Wahrheit zurück in die Welt bringen können und wie sie es erreichen können, dass Menschen wieder miteinander anstatt gegeneinander reden.

Ein Anstoß für die wirkliche Welt.

Und dann: Was sollen WIR tun, was können WIR tun?
– Einfach wieder darüber nachdenken.
– Anderes wieder zulassen.
– Wieder hinterfragen, statt blindlings zu glauben, nur weil es „gegen“ irgendetwas ist.
– Wieder zuhören.
– Wieder miteinander reden.

Wer macht dabei mit?



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