Erich Kästner: Die verschwundene Miniatur

verfasst am 03.02.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kästner, Erich, Komödie

Eine ausserordentlich vergnügliche Krimi-Komödie der (Verw)Irrungen. In der Hauptrolle der Fleischermeister Oskar Külz aus Berlin, der daheim plötzlich genug von dem ganzen alltäglichen Kram hatte und, auf der Suche nach Abwechslung und Erlebnissen, einfach in den nächstbesten Zug stieg. Hauptsache einmal raus aus dem Trott.

Der Zug brachte ihn nach Kopenhagen und – er hatte es ja so gewollt – mitten hinein ins Abenteuer. Denn Külz war nicht nur Fleischermeister in der x-ten Generation sondern auch so leicht- und gutgläubig, wie man es heute nur noch bei Menschen sieht, die an die zufällig in einer Bank in Nigeria gefunden herrenlosen Millionen glauben.

Während sich um ihn herum allerlei Gestalten tummeln (einige zwielichtig, andere jedenfalls mit undurchsichtigen Ambitionen) übernimmt er es, für eine junge Dame ein Kunstwerk von Kopenhagen nach Berlin zu transportieren. Die junge Dame nämlich erzählte ihm von ihrer Angst, während der Reise beraubt zu werden, denn das Kunstwerk (die „Titel-Miniatur“, gerade erst von ihrem Chef in Kopenhagen um einen beträchtlichen Betrag ersteigert), wäre wohl im Visier einer gerade jetzt und hier sehr aktiven Räuberbande.

Külz ahnt nicht, dass diese ganzen Gestalten, die nun seinen Weg kreuzen, ausserordentliches Interesse an dem Kunstwerk, das sich  nun in seinem Koffer befindet, haben; und er bemerkt schon gar nicht, dass diese Menschen keine Zufallsbekanntschaften sind, sondern im Gegenteil alle irgendwie miteinander verbunden.

Schon von Beginn an herrscht zwischen Autor und LeserIn eine Übereinkunft: Erich Kästner wird mit Augenzwinkern schreiben und wir werden von Anfang bis zum Ende mit einem Schmunzeln (zumindest, oft mehr als das) lesen. Eine Übereinkunft, an die man sich spielend leicht halten kann.

Denn es wimmelt nur so von wunderbaren und amüsanten Ideen, Wortwitz und Slapstick in kongenialer Zusammenwirkung. Oscarreif der Fleischermeister, wie er seine Rolle als leichtgläubiger und hilfsbereiter Tourist verkörpert. Undurchschaubar, wer denn nun aus welchen Grunde hinter den jungen Dame und der Miniatur (und damit Külz) her ist. Umwerfend komisch, wie die Verfolger einander im Weg stehen und die Verfolgten davon rein gar nicht mitbekommen – oder war es genau umgekehrt?

Eine leichtfüßige Krimikomödie, ein Stoff, der einfach verfilmt werden musste. So geschehen im Jahr 1954 und das Video habe ich schon bestellt.



Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top