Stefan Zweig: Amerigo
Die Geschichte eines historischen Irrtums

verfasst am 06.01.2013 von | 1 Kommentar
Rubriken: Erzählung, Zweig, Stefan

Es gibt ein schier unübersehrbare Menge an Ereignissen, die entscheidend für die Entwicklung der Menschheit waren. Viele davon sind den meisten von uns gänzlich unbekannt, von vielen wissen wir zwar, kennen dazu aber kaum Hintergründe, und nur über einen ganz kleinen Teil wissen wir wirklich Bescheid.

Stefan Zweig nimmt sich in diesem Essay die Geschichte vor, wie der Kontinent Amerika zu seinem Namen kam. Wir wissen vielleicht noch, dass der Namensgeber ein italienische Seefahrer des 15. Jahrhunderts mit Namen Amerigo Vespucci war. Doch warum gerade er? Was hatte er mit der Entdeckung der Neuen Welt, dem Kontinent Amerika zu tun? Warum heisst nur ein einzelnes Land und nicht der ganze Kontinent Kolumbien?

Geschichte in dieser Form zu erfahren, bereitet Vergnügen. Stefan Zweig vermag mit seinen kurzen Ausblicken tatsächlich ein wenig von der Atmosphäre der damaligen Zeit zu überbringen. Er lässt uns ein wenig in die Gefühlswelt der Menschen jener Zeit sehen, die in immer kürzeren Abständen von immer neuen Entdeckungen erfuhren.

In einer Gesellschaft, die in den Jahrhunderten zuvor wie eingekapselt auf diesem damals so dunklen Erdteil Europa gelebt hatte. Ohne geistiger Freiheit, ohne Forscherdrang, nur in Aberglauben und in Angst vor marodierenden Nachbarn oder einem strafenden Gott.

Und nun das: die Welt wurde fast schon täglich größer, es wurde geforscht, gewagt, entdeckt. Die Alte Welt war im Aufbruch.

Auch wenn die Sprache und der Schreibstil etwas altmodisch erscheinen, so ist „Amerigo“ doch eine sehr empfehlenwerte Lektüre. So wie Geschichte, deren Fakten und die historischen Zusammenhänge in dieser Form der „historischen Miniatur“ aufbereitet sind, erreicht man ein breiteres Publikum und schließt sowohl die Geschichtsinteressierten als auch die Literaturinteressierten ein.


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  www.54books.de am 07.01.2013 um 18:31 Uhr Uhr

    Ich bin großer Verehrer des sensiblen Pazifisten Zweig. Muss allerdings zugeben, dass mir zuletzt z.B. seine Balzac Biographie (ebenfalls erst posthum erschienen) nicht wirklich gefallen hat und auch bei Dir klingt ein bisschen durch, dass es sich um kein Meisterwerk handelt.
    Einerseits finde ich die teilweise entlegeneren Themen, denen er sich angenommen hat interessant und sie machen mich neugierig, andererseits muss ich hier sagen, dass mich nicht die Lesewut packen würde. Da lese ich lieber seine „Welt von gestern“ wieder (und wieder und wieder)…

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