Zeller, Franz : Blutsbande

verfasst am 22.08.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Zeller, Franz

Gleich ein dickes Lob vorweg. Mit Blutsbande hat Franz Zeller einen Krimi geschaffen, wie er sein soll und wie ihn die Fans lieben. Guter Plot, starke Bilder, lebensechte Figuren und lebensnahe Dialoge, sowie eine sparsam metaphorisch eingesetzte Sprache, die aber schnell überzeugt. Hier passt das Handwerkliche und hier passt die Geschichte.

Der sympathische und dennoch nicht langweilige Franco Moll, Chefinspektor der Salzburger Kriminalpolizei, Abteilung Leib und Leben, hat einen Entführungsfall am Hals. Tochter und Stiefvater einer gut situierten Familie sind verschwunden, vielleicht sogar hat, wie eine Nachricht im Zimmer der Tochter verheißt, diese aus Rache an ihrer Mutter den Stiefvater entführt. Als dann noch ein abgetrennter Kopf in einem Weiher von Schwarzfischern (Arbeiter aus Russland) in einem Plastiksack für spezielle, glutenfreie Nahrung gefunden wird, kommt sein Team ganz schön unter Druck.

Aber nicht nur wegen der Kriminalfälle.

Oberhollenzer macht eine Krautsuppendiät, was sich nicht nur auf dessen Gemüt schlägt, da der von der Thermoskanne ausgehende Duft, das Arbeitsklima in jeglicher Hinsicht belastet. Und Pelegrini, die junge Kollegin aus Wien, ist das ökologische Gewissen im Team. Es werden weitere Leichenteile aufgefunden, verteilt im ganzen Bundesland und der Entführungsfall bekommt eine eigene Dynamik, als mit der Post ein blutverschmiertes Herrenhemd des Stiefvaters kommt.

Der Leser begleitet zwei junge Schwestern, die sich von Moldawien kommend, in den Westen aufmachen, dort finanzielles Glück zu finden, und bereits von Anfang an wissen wir, dass es schwierig ist, eine Leiche zu zerteilen, und dass es noch schwieriger wird, wenn man einen Menschenkopf im Auto spazieren führt und dieses Auto dann plötzlich verschwindet, weil es zunächst anzunehmender Weise gestohlen wurde, dann aber plötzlich an anderer Stelle auftaucht – dafür mit leerem Kofferraum.

Obwohl wir den Täter von Anfang an begleiten und sogar dessen Vornamen und seinen Familienstand kennen, bleibt das Geheimnis dahinter bis zum Schluss gut verborgen, was Spannung bis zur letzten Seite garantiert.

Apropos Familienstand: Moll ist Alleinerzieher eines Buben, der ihm auch noch genug abverlangt. Zum Beispiel einen geschenkten Karpfen nicht zu verspeisen, sondern ihn in der Badewanne zu halten, um ihn dann wieder auszusetzen (Köstlich die Szene, als die beiden versuchen, den Fisch aus seinem “Gefängnis” zu befreien). Dann zieht noch eine Nachbarin ein, die Moll, der in einer losen Beziehung lebt, durchaus interessant findet, die sich aber vor allem mit Felix, seinem Sohn anfreundet. Rührend die Beziehung zu seinem Vater, mit dem er sich, nachdem der nach einem Schlaganfall in Linz im Krankenhaus liegt, wieder aussöhnt.

Mit unendlich viel Sprachwitz erzählt Zeller die Geschichte von Immigranten – legalen wie illegalen – in Österreich, er bedient sich allgemeiner Vorstellungen zu diesem Thema beherrscht aber den Akt auf dem Drahtseil, indem er nicht ins Klischee abrutscht, sondern seine persönliche Interpretation der Dinge in die Gedanken der Handelnden legt und so einen breiteren Diskurs eröffnet (nicht alle “Ostler” stehlen, plündern, rauben; wenn, dann vielleicht aus Gründen des eigenen Überlebens; nicht alle Einheimischen sind korrekt und nett und beschäftigen solche Personen aus Gründen der Nächstenliebe).

Ganz allgemein gilt: Wunderbar sind Zellers Schilderungen des Menschen in einem Geflecht der Beziehungen aus Familie, Freunden, Partnern, Kollegen. Ein Roman, der als Spiegel des Lebens gesehen werden kann. Und so zieht sich der Titel wie ein roter Faden durch das Buch.


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