Jan Kossdorff: Spam! ein Mailodram

verfasst am 23.07.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kossdorff, Jan, Satire

Humor aus der intelligenten Ecke. Jan Kossdorff lässt E-Mailen, was das Zeug hält und produziert dabei ein extrem witziges Protokoll der Mailkorrespondenz von Alex und/mit seiner Internetfirma. Phänomenal und für jede Menge Lacher gut!

Alex steht im Zentrum dieses ganzen Zirkus. Er ist von Beruf  „Community-Manager“, einer, der sich um das hauseigene Internetforum kümmert und zusieht, dass darin alles gesittet und mit rechten Dingen zugeht. Nun, zumindest was die User betrifft, für ihn selbst kennt er keine wie immer gearteten Einschränkungen und überschüttet alles und jeden per Email mit seinen betont unernsten und meisten total respektlosen Kommentaren.

Was immer auch die Firma, für die Alex arbeitet, genau macht – es hat jedenfalls mit diesem extrem hippen, schicken und unendlichen Internet zu tun. Damals, in der grauen Vergangenheit des Jahres 2000 war es ja wirklich noch etwas besonderes, dieses Internet. Seine Firma, das ist eine von denen, die auf der damaligen Welle der Begeisterung zuerst mitschwamm, nun aber mit den vielen anderen ins Wellental der Ernüchterung hinunter gezogen wurde (wie Alex dazu sinngemäss meint: „wir sprechen beim Umsatz lieber vom Verwirtschaften statt vom Erwirtschaften“),  Und das ist genau die Zeit von der wir hier lesen.

Alex, der  Emailempfänger, -verteiler, -absender, – beantworter, der „Vater aller Spammer“ gewissermaßen. Mit allem und jedem liefert er sich Mailgefechte, egal ob Freund, Kollege/Kollegin oder Familienmitglied. Kein Anlass ist zu gering, keine Formulierung zu banal – es fällt ihm zu jedem erhaltenen Mail eine sicher völlig unpassende Antwort ein. Und gibt es gerade nichts zu beantworten, tippt er selbst eine Unverschämtheit und findet auch immer ein passendes Opfer dafür.

Bis, ja bis zwei Dinge passieren: erstens kommt mit Judith eine neue Kollegin ins Haus, die er zweitens (A) toll findet, die schon nach dem ersten Blick die Frau seines Lebens sein wird und wegen der er zweitens (B) davon absieht, Chef und KollegInnen noch mehr zu vergrämen (weitgehend zumindest). Quasi von destruktiv zu produktiv mit einem Blinzeln.

Als Holger, das ist der Chef, nach Ideen ruft, mit denen die katastrophalen Zahlen der Firma verbessert werden sollen, schiebt sich Alex – ganz entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten – nach vorne und präsentiert so etwas wie das Rettungskonzept. In 3 Wochen zur Nummer 1 der .dotcoms (oder, falls es nicht klappt, zur .totcom)

Weil alles in Form von innerhalb der Arbeitszeit verfassten Emails nachzulesen ist, hat die Woche 5 Tage und der Tag auch nur so ca. 8 Stunden. Unglaublich, was in dieser wenigen Zeit alles an Mails verfasst und beantwortet werden kann. Und unglaublich, wie viel einem (Alex) dabei einfällt, das teilweise zum Brüllen komisch ist. Nebenbei findet er auch noch genügend Zeit, irgendwelche (meistens Nonsens-) Geschichten zu verfassen, vor allem dann, wenn seine Schwester für Ihr Magazin wieder einmal eine Geschichte zum Thema „Meine unerfüllte Liebe“ oder ähnliches in dieser Tonart braucht.

Egal ob geschäftliches Email-Hin-Und-Her oder Privates – es herrscht durchgehend höchste Lach-Alarmstufe. Sollte man also irgendwo sitzen (Kaffeehaus, U-Bahn, Wartezimmer, etc.) und dabei dieses Buch lesen, dann müssen einem die Blicke und die Meinung der restlichen Anwesenden völlig egal sein – einfach loslachen, die anderen werden es schon verkraften!

PS: es ist nicht das erste Buch, das eine Art ausdrucktes Ketten-Email ist. Es ist aber keinesfalls eine Kopie vom Klasssenprimus „Gut gegen Nordwind“ sondern eine ganz eigenständige Angelegenheit. Echt gut!!



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