Komarek, Alfred: Anstiftung zum Innehalten

verfasst am 29.12.2010 von | 1 Kommentar
Rubriken: Komarek, Alfred, Kurzgeschichten

Kein Polt, kein Käfer, nur Komarek. Ein kleines Buch, in dem viel über den Menschen Komarek steht, über sein Leben, seine Erfahrungen, seine Freuden.

Wer das Glück hat, alt genug zu sein, der/dem wird einiges in diesem Buch bekannt vorkommen. Je nach Lebensalter wird man mehr oder weniger aus seiner eigenen Vergangenheit beschrieben finden. Alfred Komarek erzählt über sein Leben, seine Eindrücke, seine Stimmungen. Und da ist auch ein wenig Zeitgeschichte dabei (wenn es zum Beispiel um seine Zeit beim Radio geht)  wobei der eine oder andere Seitenhieb nicht ausbleiben kann.

Für das Teilen solcher Erinnerungen ist es zwar von Vorteil, ÖsterreicherIn zu sein, das ist aber nicht Voraussetzung um Gefallen an diesem kleinen Buch zu finden – ich glaube, es macht auch allen Deutschen, SchweizerInnen, LiechtensteinerInnen, usw. Spaß beim Lesen, denn – abgesehen vom Ö3-Wecker – haben wir doch fast alles gemeinsam.

Zwischendurch sind dann Käfer und Polt doch wieder dabei, wenn Komarek über seinen alten Citroen-2CV erzählt (die Ente hat er dann dem Daniel Käfer für seine Fahrten im Salzkammergut vermacht) oder seine Vorliebe für einen guten Wein (die er dem Simon Polt als Leiderschaft mitgegeben hat).

Vergnüglich, heiter, manchmal mit ein paar Spitzen gegen Trends und Eigenarten. Die „Anstiftung zum Innenhalten“ ist, keine Angst, kein großer Belehrungs-Rundumschlag sondern vielmehr die niedergeschriebenen Form von Gedanken, so wie sie jede/r von uns haben könnte, wenn man sich selbst nur genau umsieht oder hin und wieder zurück und voraus blickt. Nur mit der winzig kleinen Einschränkung, dass es eines Schriftstellers bedarf, um daraus eine Sammlung von kurzen Geschichten bzw. Gedankensplittern zu machen, die auch andere lesen und mit erleben wollen.

Komarek spannt einen weiten Bogen vom Elternhaus in frühester Jugend, seine ersten und die darauf folgenden Schritte ins Berufleben, Konventionen von gestern und heute, Trends und Untrends, Hippies und Unternehmer, iPods und Schreibmaschinen, den Unterschied von Geld haben und reich sein und zwischen Zwang und Freiheit, die man sich selbst schafft. Und noch vieles mehr.

Ein kleiner Seitenhieb und eine spitze Bemerkung also hie und da, einige Erinnerungen, ein wenig Widerborstigkeit, wenn er die eine oder andere Entwicklung unserer Zeit nicht gut heissen mag, einiges an Weit- und Weltblick. Und vor allem die für mich greifbare Lust an pointierten Formulierungen – das hat mir beim Lesen weitaus mehr Freude bereitet, als es meine letzten Leseerfahrungen mit Käfer und Polt vermochten.

Auch wenn wir erfahren, dass er bei Facebook nur wenige als Freunde akzeptiert, so hatte ich hier ein „Facebook“ in der Hand, mit dem die Anzahl seiner Freunde wohl rasant ansteigt. Ein Tage/Gedankenbuch, besinnlich und heiter, pointiert und überraschend.

PS: am Tag vor Weihnachten hatte ich in der Buchhandlung dieses Buch schon in der Hand, es aber – für einen nächsten Durchgang vorgemerkt – wieder ins Regal zurück gestellt. Am Weihnachtstag dann hat es mir ein Weihnachtsengerl überreicht. Danke, Weihnachtsengerl!



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Jana am 05.01.2011 um 16:13 Uhr Uhr

    Tja nicht jeder kann einen so netten Weihnachtsengel zu Hause haben, bei mir ist es noch in der Warteschleife nach deinem Bericht wird es aber wohl deutlich näher auf mich zu kommen. Hoffe das ich bald dazu komme und es nciht wieder auf die lange Bank schiebe.

    Sonst muss ich wohl warten bis meine Hängematte mich in meinem Garten wieder zum wirklichen Lesen einlädt und ich Zeit und Muse finde, da kann mich nämlich nur das einbuddeln neuer Pflanzen von Baldur Garten ablenken.

    In jedem Fall aber frohes Neues nachträglich

Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top