Slupetzky, Stefan: Das Schweigen des Lemming

verfasst am 15.01.2009 von | 3 Kommentare
Rubriken: Kriminalromane, Slupetzky, Stefan

slupetzky-das-schweigen-desLemmings dritter Fall

Lemming hat einen neuen Job, er ist Nachtwächter im Schönbrunner Tiergarten. Die Beziehung zu seiner Klara läuft wieder prächtig. Bei einem abendlichen Rundgang macht er eine grausige Entdeckung: In einem der Gehege baumelt ein erhängter Pinguin!

In dem Schnabel des toten Tieres findet er einen Zettel mit einer Nummer darauf. Bald ist der Lemming in einen Fall verwickelt, der ihm wieder mal äußersten Scharfsinn und nebenbei auch Kunstverstand abverlangt. Sein Vorgesetzter, der Direktor des Zoos, stellt für den Lemming Kontakt zu Hörtnagl her. Dieser Mann ist ein Wiener Wirtschaftsmogul, der mächtigen Einfluss auf die österreichischen Politkaiser hat und außerdem einige Tierpatenschaften im Schönbrunner Tiergarten übernommen hat.

Klar dass auch Hörtnagl Interesse daran, dass das Verbrechen aufgeklärt wird. Der Lemming wird engagiert, immerhin ist er ein ehemaliger Krimineser. Hauptverdächtiger ist Lemmings Kollege Pokorny. Dieser ist seit der Tötung des Pinguins verschwunden. Gleichzeitig gibt es einige Verwirrungen durch Wiener KunststudentInnenen – Löwin, Adler, Bär und Floh. Was ist mit der Saliera, dem Salzfass, diesem wichtigen Stück der österreichischen Geschichte?

Der Autor schreibt wieder mit viel Sprachwitz und Ironie einen ungewöhnlichen „Mordfall“. Manchmal erscheint der Krimi (ohne Mordopfer, oder doch?) sehr konstruiert, trotzdem lesenswert.



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  • Kommentar von  Elke am 07.11.2009 um 15:12 Uhr Uhr

    Liebe Leser! Es scheint, als habe euch die Slupetzky-Sucht total erfasst. Und nur mehr 1 Band in Aussicht (vorerst hoffentlich). Als Suchtexpertin muss ich euch leider mitteilen, dass für eine solche Droge – aus meiner Sicht – noch kein Drogenersatzprogramm gefunden wurde! Viel Spaß mit Lemming! Elke

  • Kommentar von  Klinger C. am 04.11.2009 um 13:57 Uhr Uhr

    Dir fehlt wohl nur mehr der letzte Teil (Lemmings Zorn)?
    Da muss ich dich leider deinem Schicksal überlassen, weil warum soll es dir anders als mir gehen, der komplett überrumpelt wurde von diesem neuen Lemming, den ich aber mit der Zeit immer lieber gewonnen habe?
    Der intensivste und intimste Lemming, anders, mindestens so brillant wie die anderen, aber für mich kaum vergleichbar.

  • Kommentar von  Sündi am 04.11.2009 um 11:05 Uhr Uhr

    Lieber Christian Klinger!

    Danke für die Warnung!
    Als ich das Polarium erblickte, vorher an meinem alten Freund Abu vorbeikam, schließlich von Pinguinen umzingelt wurde, war mir klar, diesmal geht es in die andere Richtung.
    In Erwartung der dünnen Luft am Gipfel war vorsorglich eine Sauerstoffflasche im Expeditionsgepäck, trotzdem ging ich mehrmals eine erhebliche Sauerstoffschuld ein, da ich aus dem Buch einfach nicht mehr auftauchen konnte.

    Ein Krimi ohne Mord?
    Selbstmord gilt nicht, weil gehört in unserem Land zum guten Ton.
    Krimi ohne Mord wie Meer ohne Fische? Wie das Totes Meer? Oder gar Wien als Steinernes Meer? Versteinertes Meer?
    Mitnichten!
    Der größte Kunstraub der 2. Republik als Basis des Romans, einfach aber genial.
    Da kennt dann aber die österreichische Realität keine Gnade mehr und überholt die phantasievollste Fiktion, praktisch erbarmungslos.
    Im schwülen Wiener Biotop aus Wirtschaft, Politik und Kunst, sprich Unterwelt gedeihen dann jene Skurillitäten, die Slupetzky so meisterhaft beschreibt.
    Wenn die Jelinek und der Bernhard zu schimpfen beginnen, packt der Slupetzky die Spott- und Hohnstaffelei aus und malt ein Bild wo sich viele von uns wiederfinden.
    Und immer blickt ein bisschen der Karl Kraus hinter den Wörtern und Sätzen hervor.
    Direkte Kritik an uns selbst ruft sofort die erbitterte Gegenwehr der selbsternannten Moralinstanz, der „Reinen Wahrheit“ hervor, aber Hohn und Spott wird gefeiert.
    Recht so und weiter so.
    Es soll uns nichts Schlimmeres passieren!
    Unsere Künstler sind die Kunst und diesen Luxus muss man sich auch erst mal leisten.
    Ist dies das Los einer kulturellen Supermacht?

    Ein exzellentes Buch dieser Lemming, vor allem sprachlich.
    Für alle noch Nichtlemminge ein kleines Beispiel gefällig?
    „Seine Verfolger, vermerkt der Lemming mit einem Hauch von Erleichterung, dürften nicht gerade die Intelligentesten sein. Einen Fußgänger mit dem Auto zu beschatten zeugt an sich schon von einer mentalen Genügsamkeit. Dabei im Rückwärtsgang gegen die Einbahn zu fahren grenzt hingegen an absolute geistige Askese.“

    Und da gibt es noch viel mehr davon!
    Leider habe ich nur mehr einen Lemming vor mir.
    Welche Ausrüstung benötige ich diesmal?
    Genügt Neopren und Sauerstoff oder soll ich mir vorsorglich einen Teflonpanzer zulegen?

    PS: Man soll nie den Tag vor dem Abend loben, aber ich glaube mein Buchhändler hat recht.

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