Buchbesprechung/Rezension:

Beate Maly: Aurelia und die Melodie des Todes
Ein Fall für Aurelia von Kolowitz (2)

Aurelia und die Melodie des Todes
verfasst am 14.11.2023 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Kriminalromane, Maly, Beate
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Wien, im Jahr 1871. Einige Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt führen ein überaus angenehmes und sorgloses Leben, viele mehr müssen jeden Tag aufs Neue um ihr Auskommen bangen.

Aurelia von Kolowitz gehört zur privilegierten Klasse, als Tochter eines Grafen muss sie sich keine Sorgen machen. Obwohl sie also wenig Grund hat, sich mit den Niederungen des Alltages abzugeben, lassen ihr Ungerechtigkeiten und unerklärliche Vorgänge keine Ruhe. Wenn sie sich erst einmal für eine bestimmte Sache interessiert, dann gibt es niemanden, der sie davon abbringen kann.

Der Tod des Ziegelbarons Auerbach ist so eine Sache. Es sieht aus wie ein Selbstmord, doch warum sollte ein so reicher Mann, der keine Sorgen zu haben schien, sein Leben beenden wollen? So richtig neugierig wird Aurelia, als sie bei Emilia Zobel, der Schwester des Verstorbenen, an einer Séance teilnimmt, eine zu der damaligen Zeit überaus beliebte Form der Abendgesellschaft. Es geschehen seltsame Dinge im Zobel-Haushalt und das findet an diesem Abend mit einem urplötzlich auftauchenden Brief von Auerbach einen verwirrenden Höhepunkt. So verwirrend, dass Emilia ärztliche Hilfe benötigt, weil ihre Nerven versagen. Aurelia interessiert sich prompt sehr dafür, was hinter allen diesen seltsamen Vorgängen steckt.

Aurelia ist eine für die Männer äußerst erfreuliche Erscheinung, weshalb sich auch bei jeder Gelegenheit einer findet, der ihr den Hof macht. Einer dieser jungen Männer ist der Polizeiagent Janek Pokorny, mit dem Aurelia, weil sie sich doch oft im Umfeld von möglichen Verbrechen aufhält, des Öfteren zusammentrifft. Auch bei den seltsamen Vorgängen bei der Séance ist es Janek, der den Auftrag erhält, der Sache nachzugehen. Er versteht es zwar, seine Bewunderung für Aurelia zu verbergen, doch ist es für den jungen Polizisten immer schwer, sich ausschließlich auf die Fakten zu konzentrieren, wenn Aurelia in der Nähe ist. Wenn er wüsste, dass Aurelia sich über seine Gesellschaft freut …

Für Janek ist der Vorfall bei der Séance aber eine Nebensache; vor allem soll er den Mord an einem Werkelmann aufklären. Was er nicht weiß, was wir wissen: Beides hängt in irgendeiner Art und Weise zusammen.

Ein besonderes Vergnügen ist es, über die Orte und Personen, die im Roman eine Rolle spielen, dann die Hintergründe nachzuschlagen. Das führt an Plätze und erzählt von Menschen und Ereignissen, die damals, vor rund 150 Jahren, eine Rolle spielten. Ein Stück der Geschichte Wiens ist sorgsam in die Handlung verwoben, was alles überaus realistisch macht.

Nur ein paar Beispiele daraus: die Villa Henikstein in Döbling, damals das „Sanatorium Görgen“ heute ein Bezirksgericht. Die für das Jahr 1873 in Wien geplante Weltausstellung, die für die an der Errichtung des Geländes Beteiligten hohe Gewinne versprach (ein Schelm, wer da an Bestechung und illegale Geldflüsse denkt). Die Ziegelbarone, die im Zug der Errichtung der Ringstraßenbauten ungeheuren Reichtum anhäuften. Das Café Français am Stephansplatz, ein von Aurelia gerne besuchtes Kaffeehaus, das als Novum einen Salon nur für Damen einrichtete. Die Fiaker, die über das Kopfsteinpflaster rattern.  Das Dommayer in Hietzing, damals noch ein Konzertcafé, in dem die Walzerkönige auftraten.

Neben der Vielzahl an historischen Verweisen ist auch eine eher fiktive Verbindung zu unserer Gegenwart in die Handlung eingebaut. Jene nämlich, nach der sich viel zu viele Leute von Quacksalbern irgendwelche angebliche Heilmittel einreden lassen. Insbesondere Bleichmittel wurden ja von gewissen Politikern im Zuge der Corona-Pandemie quasi angepriesen. So etwas gibt es heute, so etwas gab es damals sicher in ähnlicher Form.

Wüsste man nicht, dass die gute alte Zeit für viele Menschen überhaupt nicht rosig war – diesen Aspekt lässt Beate Maly immer wieder sehr deutlich in den Roman einfließen – man könnte sich wünschen, mittels Zeitreise dorthin zu reisen. So sehr kann man sich die wunderbar erzählte Atmosphäre des alten Wien hineinziehen lassen. Einfach einmal selbst die alte Zeit miterleben, das wäre doch etwas!

Weil das alles in einem immer spannender werdenden Krimi stattfindet, bin ich auch nach ihrem zweiten Auftritt weiterhin ein unbedingter Fan von Aurelia von Kolowitz!




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