Ludwig Laher: Bitter

verfasst am 07.02.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Laher, Ludwig, Romane

BitterFritz Bitter ist ein Kriegsverbrecher der gemeinsten Sorte. Bei der Gestapo in Wiener Neustart startet er seine grausame Karriere als Verantwortlicher vieler hunderttausende toter Menschen. Eiskalt und berechnend schafft er es, nach Ende des 2. Weltkrieges ausgerechnet vom jüdischen Rechtsanwalt Dr. Stern „nur“ für Hochverrat kurz inhaftiert zu werden.

Der NS-Verbrecher und seine Kollegen biegen es sich in den nachfolgenden Prozessen allerdings wieder hin, für ihre Gräueltaten ungeschoren davon zu kommen. 

Schon als Kind ist Friedrich Bitter dem deutschnationalen Treiben sehr angetan. Das Ansinnen des Vaters, dass seinem Sohn Fritz im Stiftsgymnasium Wilhering – untergebracht im katholischen Internat – diese Flausen ausgetrieben werden, geht nicht im erhofften Erziehungseffekt auf.

Mit Bravour absolviert Fritz die Matura, nimmt an Aufmärschen radikal großdeutscher Gesinnungsgenossen teil und grölt, oft betrunken, seine Heil-Parolen. Seinen Wunsch, Jus zu studieren, setzt er in Wien um. Gleichzeitig startet er seine steile Karriere und zweifelhafte Reputation in der SS.  Im braunen Sumpf ist er verantwortlich für den Mord an 100.000en Juden und anderen nicht NS-Getreuen. Selbst seinen eigenen Schwager schickt er in den Tod.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches kommt Dr. Friedrich Bitter mit einer geringen Strafe davon. Die alten Seilschaften und Kameraden sind ihm dabei ebenso dienliches Vehikel wie seine manipulative Beeinflussung seiner Verwandten. So bekommt er beruflich bald wieder Boden unter den Füßen.

Ein Roman, der nicht dadurch besticht, wie Kriegsverbrecher es nach 1945 geschafft haben, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Wo wären denn sonst viele von ihnen hingekommen, als in der Politik und Wirtschaft unterzutauchen. Das Spannende an diesem Buch ist, dass diesem Bitter quasi durch den Autor selbst der Prozess gemacht wird.

Sehr empfehlenswertes Buch, vor allem für jene, die immer noch meinen, Österreich sei ein Opfer einer unrühmlichen Geschichtsschreibung!

Aktuell sorgen ja die schlagenden Verbindungen und ihre Gegner für Schlagzeilen. Mir wird dabei höchst übel.


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