Buchbesprechung/Rezension:

Hervé Le Tellier: Ich und der Präsident


verfasst am 27.06.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Humor, Le Tellier, Hervé
LiteraturBlog Bewertung:

Le Tellier heißt der Mann, der den Einfall hat, seinem Präsidenten François Mitterrand eine Urlaubspostkarte zu schicken. Der oberste Repräsentant des Staates soll doch auch erfahren, wie sehr das Volk, also Leute wie Le Tellier, an ihn denkt.

Gewissenhaft, wie die Administration in Frankreich ist und ganz entsprechend dem Anspruch der Volksnähe, den der Präsident hat, langt einige Wochen später tatsächlich ein Antwortschreiben ein. Ein Standardbrief, wie wohl jeder andere erkennen würde, doch nicht so Le Tellier.

Ein nimmt das Schreiben als persönliche Zuwendung und meint sogar wenig später zu erkennen, dass durch Mitterrands Einwirken sich etwas in seinem, Le Telliers, Leben geändert hätte. Es entwickelt sich ein reger, wenn auch recht ungewöhnlicher Briefwechsel, in dessen Verlauf Le Tellier aus seinem Leben berichtet, hin und wieder Vorschläge unterbreitet oder eine Bitte äußert. Bald meint er, dass sich eine Freundschaft entwickelt hätte, womit er dann auf das Du-Wort wechselt. Mitterands Antwort-Briefe indes sind immer völlig identisch und bleiben auch beim unpersönlichen „Sie“. Für Le Tellier kein Problem, er meint zu verstehen, dass Mitterrand seiner Freundschaft in solchen offiziösen Schreiben nicht Ausdruck verleihen kann.

So wird Le Tellier zum Freund aller Präsidenten, bis hin zu Macron. Nur mit Sarkozy, da kann sich keine rechte Bindung entwickeln, aber das ist ja kein Wunder, wie der sich verhält.

So schmal das Büchlein, so amüsant die Geschichte. Manchmal hat es etwas von Slapstick, wenn Le Tellier in einem Brief, der exakt so aussieht wie der vorangegangene, dann doch eine neue Nachricht tzu entdecken meint und wie er bei Mitterands Nachfolgern, deren Büros auf genau diese Vorlage zurückgreifen, dann wieder Neues zu entdecken vermeint.

Etwas zum Lachen.
Aber natürlich auch eine Geschichte darüber, wie sich Menschen in ihrer eigenen Vorstellung ganz weit von dem entfernen können, was real ist.




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