Goscinny & Uderzo: Umpah-Pah Gesamtausgabe

Bevor es Asterix gab, gab es Umpah-Pah. Den allerdings leider nur für kurze Zeit, mehr als fünf Bände wurden von René Goscinny  und Albert Uderzo nicht veröffentlicht. Dabei sind die Geschichten mit Umpah-Pah zumindest genauso witzig und geistreich, wie die zeitgleich entwickelte Serie Asterix – wenn auch weniger erfolgreich und bekannt.

Den ersten Anlauf für diese Miniserie nahmen die beiden Autoren schon im Jahr 1951, erste Skizzen dazu verschwanden aber bald wieder in den Schubladen. Die folgenden 8 Jahre Pause taten den Figuren aber sichtlich gut. In diesem Band sind auch die ursprünglichen Skizzen abgebildet, gegenüber denen sich – aus meiner Sicht – grafisch sehr viel weiter entwickelt hat und die Figuren auch optisch erst so richtig an Profil gewonnen haben. Ab dem Jahr 1959 wurden dann in loser Folge die fünf Abenteuer veröffentlicht, die auch komplett in dieser Ausgabe enthalten sind.

Im Jahr 1961 mussten sich Goscinny & Uderzo entscheiden, welches ihrer Projekte sie weiterführen wollten – für alle reichte die Zeit nicht mehr. Sie haben sich für Asterix entschieden, weshalb Umpah-Pah nach fünf Abenteuern schon wieder sich selbst überlassen wurde und wahrscheinlich noch immer über die Prärien wandert.

Die Gesamtausgabe umfasst deshalb nur weniger als 160 Seiten, aber es zahlt sich unbedingt aus, diese zu genießen!

Schauplatz der Geschichte ist Amerika, irgendwann in den 1750er-Jahren (während die ersten Skizzen noch in der Gegenwart spielten). Ein Vorbild für die Geschichten ist James F. Coopers Roman „Der letzte Mohikaner“ und man kann tatsächlich, auch abgesehen vom Schauplatz, eine ganze Reihe von Ähnlichkeiten in den Geschichten finden. Wir befinden uns also in jener Zeit vor der amerikanischen Unabhängigkeit, in der Engländer und Franzosen nebeneinander (und oft genug auch gegeneinander) den Kontinent besiedelten.

Die beiden Hauptdarsteller:

  • Umpah-Pah, der tapfere Krieger vom Stamm der Waschi-Waschi Indianer. Sein gutes Herz bringt ihn zumindest genauso oft in Schwierigkeiten wie der Stamm der benachbarten Plattfuß-Indianer.
  • Hubert von Täne, der Kadett der französischen Armee, der im nahe gelegenen Fort Ort seinen Dienst versieht und schon bald zum Blutsbruder „Doppelskalp“ von Umpah-Pah wird.

Außerdem: Häuptling „Dicker Büffel“, Medizinmann „Immer Regen“, der Dorfälteste „Einzahn“ … der hält aber nicht lange: also dann „Keinzahn“. Ähnlichkeiten mit den unbeugsamen Galliern in ihrem Dorf sind immer wieder zu finden.

Highlights sind dazu die Darstellungen der Franzosen, Briten und Preußen, die jeweils allen gängigen Klischees entsprechen; ein Vergnügen bis hin zum kleinsten Pinselstrich.

Wie auch bei Asterix treffen auch hier Wortwitz, und witzige Details der Zeichnungen aufeinander. Und wie bei Asterix muss man aufmerksam bleiben, um ja keine Details zu übersehen. Trotz aller Ähnlichkeiten mit Asterix ist Umpah-Pah eine Serie mit eigenem Charakter. Insgesamt aber erkennt man in beiden Serien ganz genau die Handschrift von Goscinny & Uderzo, die einander auf geniale Weise als Texter und Zeichner ergänzen.

Schade, dass es nicht mehr Abenteuer gibt. Aber schön, dass man diese wenigen in einer Neuauflage wieder bekommen kann!



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