Buchbesprechung/Rezension:

Ralf König: Zarter Schmelz
Eine Lucky-Luke-Hommage von Ralf König


verfasst am 22.07.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Comic & Graphic Novel, König, Ralf
LiteraturBlog Bewertung:

Der Texter und Illustrator Ralf König erzählt in dieser anlässlich „75 Jahre Lucky Luke“ erschienenen Sonderausgabe eine gerade sehr aktuelle Geschichte.

In der Zeit und der Welt der harten Cowboys, der Männer mit dem Colt, der Machos, die schnell und gerne ihre Streitigkeiten in einem Duell zu Ende brachten – auch da gab es schon das, was wir heute unter LGBT kurz zusammenfassen. Der Film Brokeback Mountain aus dem Jahr 2005 befasste sich mit dem vormaligen Tabu-Thema schwule Männern im Wilden Westen, Ralf König zeichnet und textet dazu eine Story in das Lucky Luke Universum.

Glück für Ralf König (und für uns), dass wir alle nicht in Ungarn leben, dort hätte die Veröffentlichung dieses Sonderbandes wohl zu einer ganzen Welle von Anzeigen und Anklagen geführt. Der Rechtsaußen Viktor Orban hat ja bekanntlich sein Land wieder ein Stück zurück ins Mittelalter gezerrt, indem sexuelle Orientierung abseits der kirchlichen und erzkonservativen Dogmen mit Hilfe neuer Gesetze kriminalisiert wird.

Ist Lucky Luke eigentlich asexuell? Zuletzt versuchte sich Matthieu Bonhomme in einem anderen Sonderband „Lucky Luke – Wanted“ mit dem Thema, indem er den Helden gleich drei wunderschöne Schwestern retten ließ. Das hat dort zu nichts geführt, dann vielleicht hier, in diesem Band?

Mit dem Titel „Zarter Schmelz“ ist aber vorrangig gemeint, dass ein findiger Geschäftsmann den Amerikanern den Genuss von Schweizer Schokolade nahebringen möchte. Dazu werden diese ganz speziellen Kühe aus der Schweiz über den Ozean transportiert und Lucky Luke soll nun dafür sorgen, das diese fünf an einen ruhigen Ort gebracht werden, an dem sie ganz entspannt die besondere Milch produzieren können, die man eben für den zarten Schmelz dieser Schokolade braucht.

Die Geschichte erzählt davon, wie gefährlich es war, im Wilden Westen homosexuell zu sein. Aber es gibt ja Lucky Luke, den Kämpfer für die Schwachen und Unterdrückten, der dafür sorgt, dass auch dort jeder nach seinem Willen leben kann. Die Daltons dürfen nicht fehlen, denen es wieder einmal nicht gelingt, Lucky Luke zu übertölpeln und auch über die Western-Ikone „Calamity Jane“ wird bislang unbekanntes offenbart.
Für die Story: 5 Sterne

Die Zeichnungen (hier vor allem die Darstellung der Gesichter) und auch die oft nur schwer lesbaren (mit der Hand geschriebenen) Texte sind hingegen nicht so sehr nach meinem Geschmack, alles wirkt für mich zu unruhig, zu sehr skizziert, zu wenig fertig …
Für Grafik und Text: 3 Sterne

Zur Komplettierung einer umfangreichen Lucky Luke-Sammlung sicher eine notwendige Anschaffung :-)




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