Buchbesprechung/Rezension:

Andreas Winkelmann: Die Karte


verfasst am 15.06.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Winkelmann, Andreas
LiteraturBlog Bewertung:

Es ist keine gute Nacht: Der verwirrte alte Mann, der mit einem abgesägten Bein im Gepäckträger durch die Straßen radelt; der vermeintliche Einbrecher, der seinem Verfolger ein Messer ins Auge rammt; die Rechtsanwältin, die auf ihrer Joggingrunde ermordet wird.

Es dauert nur ein paar Seiten und schon weiß man, dass es eine Story mit Tempo werden wird.

Und gemütlicher wird es bis zum Ende des Buches nicht. Andreas Winkelmann verfasste sehr routiniert und gekonnt einen spannungsgeladenen und rasanten Thriller, der seine Leserinnen nicht zur Ruhe kommen lässt. Denn mit dem Auftakt-Horror ist es noch lange nicht getan, das Verbrechen dringt bis zu Kommissar Jens Kerner vor, hinein in seinen privaten Bereich.

Die Opfer sind allesamt Frauen, nur ein Zufallsopfer passt nicht in die Reihe.

Als Rahmen nutzt Winkelmann dabei etwas, was für viele zum unverzichtbaren Hilfsmittel geworden ist. Ein der vielen Tracking-Apps, mit denen Menschen ihre Laufrouten, ihre Wanderwege, ihre Radtouren oder ein nur ihre Spaziergänge aufzeichnen, dient einem Killer als Wegweise. Als ein Wegweiser, der immer genau den Standort des nächsten Opfers kennt, denn wie es eben so ist, teilt man alles in einer Cloud, lässt eine ganze Community am eigenen Lebenswandel teilhaben.

So gesehen, ist das Szenario gar nicht so abwegig, denn – das wissen wir – die bösen Menschen nützen natürlich das aus, was so viele Leute viel zu unbedacht mit der Welt teilen, auf Social Media erzählen oder wenn sie sich eben über eine Running-App live quasi verfolgen lassen.

Urlaub geplant?
Danke sagen die Einbrecher!

Laufrunde geplant?
Danke sagt der Killer!

Das Lesen dieses Thrillers ist wirklich eine atemlose Angelegenheit. Das Buch hat zwar knapp 380 Seiten, liest sich aber wie im Flug, als ob es nur 100 Seiten wären. Tempo ist das Motto und ein Warnhinweis darf nicht fehlen: Die Beschreibungen der Morde lassen einen mitunter schlucken, da entstehen drastische Bilder im Kopf.

Mein Fazit dazu: wer nicht allzu zart besaitet ist und Thriller-Spannung liebt, ist bei „Die Karte“ wirklich sehr gut aufgehoben!




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