Sofie Sarenbrant: Schuld - Emma Sköld und der tote Junge
Emma Sköld Band 4

verfasst am 03.01.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Sarenbrant, Sofie
LiteraturBlog Bewertung:

Spannung von Anfang an: wer einen packenden Thriller lesen möchte, ist bei diesem Buch sehr gut aufgehoben.

Im Stockholmer Vorort Bromma bleiben die Menschen lieber unter ihresgleichen. Eine Facebook-Gruppe ist die Anlaufstelle für alle möglichen Informationen und Klatsch und Tratsch. Sehr gerne beschäftigt man sich damit aber auch – es ist ja Social Media – mit den angeblichen Fehltritten andere und schnell findet sich jemanden inmitten eines Shitstorms.

Als direkt im Nachbarhaus von Emma Skölds Schwester ein Mord geschieht, ist das ein gefundenes Fressen für die Gerüchteerfinder und die, die es immer schon gewusst haben. In diesem Fall aber könnte die Mitteilungsbereitschaft der Leute aber auch hilfreich werden …

Während Emma im Haus schläft, wird nebenan Robin, der 20-jährige Sohn der Familie Eklund Opfer eines Verbrechens. Alles deutet darauf hin, dass es ein Einbruch war, der aus dem Ruder gelaufen ist. Der Tote wird ein paar Stunden nach der Tat von der Putzfrau Svetlana gefunden, die, nachdem sie den ersten Schick verarbeitet hat, die Polizei ruft. Emmas Partner Nyhlén und sie selbst sollen den Fall übernehmen. Kaum sind die beiden eingetroffen, verschwindet Svetlana vom Tatort.

Im Haus der Schwester meint Emma Spuren zu finden, dass auch hier eingebrochen worden war – doch es fehlt nichts. Alles deutet auf eine Einbruchsserie hin und ist es wirklich möglich, dass, so wie in der Facebook-Gruppe sofort behauptet wird, Svetlana darin verwickelt ist? Sie arbeitet immerhin für eine ganze Reihe von Familien in Bromma und man weiß ja, dass diese Leute aus dem Osten alle unter eine Decke stecken.

Ein zweiter Mord ändert die Lage und auch die eifrigen Poster ändern ganz schnell ihre Positionen.

Während es einige Ideen gibt, wer hinter den beiden Verbrechen stehen könnte, mangelt es der Polizei an konkreten Spuren. Da gibt es den Bauarbeitertrupp aus dem Baltikum, der an mehreren Baustellen in Bromma arbeitet. Als sich herausstellt, dass Robin homosexuell war, zeigen einige der Beteiligten ihren wahres verbohrten Geist – war es vielleicht eine dieser Personen, die den Mord begangenen hat? Oder war es wirklich nur ein bereits namentlich Bekannter aber bisher nicht fassbarer Serieneinbrecher?

Zu diesem Fall kommen für Emma und Nyhlén auch noch private Verwicklungen. Nyhléns Heiratsantrag bewirkt genau das Gegenteil: Emma fühlt sich überfordert und verlangt eine Auszeit in ihrer Beziehung. Das geschieht, während Nyhlén laufend Drohbriefe erhält, dass er die Beziehung mit Emma beenden müsse und Emma selbst wird beinahe von einem Wagen von der Straße gerammt.

Hilfreich ist bei allen diesen offenen Fällen nicht, dass Emma und Nyhlén kaum mehr vernünftig miteinander reden können. Denn es gilt nicht nur einen Mörder zu fassen, sondern auch zu klären, ob die persönlichen Angriffe etwas mit einem alten Fall zu tun haben, oder ob der Täter in Bromma auch Jagd auf die Polizei macht.

Sehr verwinkelt, aber gerade richtig, um allem noch folgen zu können ist „Schuld“ vom ersten bis zum letzten Satz ein rasanter Thriller. Einer von denen, die man nicht zur Seite legen kann, bevor man zu Ende gelesen hat.

Dazu blickt die Autorin Sofie Sarenbrant aber auch tief in die durch Social Media und ansteigende Radikalität in Sprache und Verhalten korrumpierten Seelen der Menschen. Der Roman zeigt auch, wie falsch und wie verlogen die Menschen sich verhalten können, wenn sie nur das passende Echo von anderen erhalten.




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