Buchbesprechung/Rezension:

Tove Alsterdal: Sturmrot
Die Eira-Sjödin-Trilogie Band 1

verfasst am 19.07.2022 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Alsterdal, Tove, Kriminalromane
Buchbesprechung verfasst von :
LiteraturBlog Bewertung:

In Schweden, dort, wo die Wildnis beginnt und die Welt der Menschen endet. Ein Ort, in dem die Bewohner einander von Jugend an kennen. Die Szenerie ist eine Mischung aus weitem Land und dunklen Gedanken.

Nach Jahren kehrt Olof Hagström zurück. Seit er als 14-jähriger eine Vergewaltigung und einen Mord gestanden hatte, verbrachte er sein Leben zuerst in einem Heim und dann weit weg von dem Ort, an dem das alles geschah. Nun macht er einen Umweg, er war in der Nähe, es treibt ihn beinahe zurück zu seinem Elternhaus. Außer seinem Vater Sven lebt dort niemand mehr, das ist alles, was er weiß, als er vorfährt.

Olaf gerät mitten hinein in eine neue Katastrophe, als er seinen Vater tot im Badezimmer findet. Dass es sich nicht einfach um einen Unfall handelt, ist Olaf klar, denn die Haustüre steht offen und der Hund ist einem Zimmer eingesperrt.

Schnell stellt sich heraus, dass Olaf nicht der Mörder sein kann und er wird freigelassen. Das aber führt zu wütenden Reaktionen anderer Anwohner, die es unerträglich finden, dass ein Vergewaltiger frei herumläuft. Welcher Gefahr sind nun ihre Kinder ausgesetzt. Schnell erreicht die Welle der Empörung eine breite Basis, in den sozialen Medien bauscht sie sich zu einem Tsunami auf, dessen Folgen auch bald wieder in der realen Welt zu spüren sind.

Unter all den Kommentaren, die die Stimmung immer wieder aufheizen, findet Eira Sjödin nur eine einzige Stimme, die dazu aufruft, sich zu besinnen und daran zu denken, dass die Umstände oft nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen.

Die Polizistin Eira Sjödin kennt Olaf, sie kennt den Vater und sie kennt die lange zurückliegende Ermittlung im Mordfall der damals 16-jährigen Lina aus Erzählungen. Obwohl sie als Polizistin zunächst nicht zuständig ist, wird sie wegen ihrer Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort hinzugezogen. Je mehr sie über den Mord an Sven Hagström in Erfahrung bringt, desto mehr gewinnt sie die Gewissheit, dass dieser Mord der Gegenwart etwas mit der lange zurückliegenden Tat des Sohnes zu tun haben muss

„Sturmrot“ ist nicht nur ein spannender Thriller, der Roman umfasst weitaus mehr Themen. Es beginnt mit der Charakterisierung der Menschen, die beim Lesen förmlich Gestalt annehmen, die man sich bildlich vorstellen kann, deren Handeln und Verhalten man beinahe sehen und hören kann, so detailreich und real sind sie beschrieben.

Dazu das Land, die Wälder, das Meer, die Küste: wie sich das alles mit den Beschreibungen der Menschen zu einem ganzen zusammenfügt.

Tove Alsterdal erklärt in ihrem Nachwort, dass sie für dieses Buch von tatsächlichen Vorkommnissen in der schwedischen Kriminalgeschichte inspirieren ließ. Daraus machte sie einen Roman über die gesellschaftlichen Verhältnisse, über Irrtümer und Ungerechtigkeiten, über Ängste und verdrängte Erinnerungen.

Das alles zusammen – das Land, die Menschen, die Hintergründe – lassen einen glauben, dass man den dramatisch aufbereiteten Bericht über einen wahren Kriminalfall liest. Vieles davon kann man sich selbst vorstellen, einiges davon wird man vielleicht schon selbst miterlebt haben, von einigem war man möglicherweise sogar schon selbst betroffen.

Es ist kein Thriller, der seine Spannung aus Tempo bezieht, sondern ganz aus der Möglichkeit, dass so etwas, teilweise oder zur Gänze passieren könnte … oder eben daraus, dass es schon passiert ist

Ausgezeichnet mit dem Schwedischen Krimipreis 2020 und dem Skandinavischen Krimipreis 2021.




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