Leo Perutz: Der schwedische Reiter

verfasst am 12.05.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Perutz, Leo, Romane

Der Edelmann und der Dieb: ein Märchen, Gleichnis, Liebesroman, historischer Roman. Angesiedelt in der Mitte des 18. Jahrhunderts, geschrieben in ungewohnter Sprache, die wohl unterstreichen soll, dass dies eine Erzählung über Ereignisse ist, die ein paar Jahrhunderte zurück liegen.

Kein Roman, in den man sich gleich verlieben wird, dazu ist er zu spröde, zu verwunden.

Es beginnt damit, dass sich eine ungewöhnliche Reisegemeinschaft gebildet hat: Christian von Tornefeld, der Edelmann, gerade aus dem Heer desertiert, um sich dem schwedischen König anzuschließen. Und der (namenlos bleibende) Dieb, wie immer auf der Flucht vor den Dragonern. In der eisigen Winterlandschaft haben die beiden schon ihr Ende vor Augen, als sie eine alte Mühle entdecken. Drinnen ein gedeckter Tisch, es scheint wie ein Geschenk des Himmels, doch keine Spur vom Bewohner des Hauses.

Der Müller ist schon viele Jahre tot und doch sitzt er mit einem Mal auf der Bank in der Stube. Für die beiden Gefährten ist das der Ausgangs- und Endpunkt der nun folgenden Ereignisse. Die Umstände bringen es mit sich, dass der Dieb zum Paten des Edelmannes reist, um dort Hilfe zu erbitten. Der Pate aber ist gestorben, seine Tochter leitet nun den Gutshof und wird, wie der Dieb in jedem Winkel feststellen muss, von allen ihren Untergebenen belogen und betrogen – der Gutshof steht vor dem Ende, beinahe alles ist schon verpfändet. Das Wichtigste aber: der Dieb verliebt sich in die Tochter und beschließt, statt für den Edelmann einen Auftrag auszuführen, selbst in dessen Rolle zu schlüpfen.

Einige Jahre lang macht er das Land als Räuber-Hauptmann unsicher, bis er endlich genug Geld hat, um die Schulden des Gutshofes zu begleichen und seine Liebe zu heiraten. Sie ist bis zum Schluß in dem Glauben, er wäre Christian von Tornefeld und verliebt sich ihrerseits unsterblich. Mehrere Jahre des vollendeten Glücks folgen, der Gutshof ist gerettet und eine zauberhafte Tochtr erfüllt das Leben der beiden.

So lange, bis den Dieb seine Vergangenheit als Räuber einholt. Der Moment, in dem das Glück sich wendet und der Beginn des Weges, der den (wirklichen) Eldemann und den Dieb auf tragische Weise wieder zusammen führt.

Mit der gekünstelt und verschlungen wirkende Sprache kann ich mich bis zum Ende nicht wirklich anfreunden, mich bestensfalls daran gewöhnen. Mit dieser Gewöhnung wird die Geschichte dann auch lesbarer und mit der besseren Lesbarkeit entwickelt sich eine recht spannende Lebensgeschichte. So spannend jedenfalls, dass ich die knapp 250 Seiten in einem Zug gelesen habe.



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