Sofia Lundberg: Ein halbes Herz

verfasst am 05.03.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Lundberg, Sofia, Romane

Elin lebt in New York, gemeinsam mit ihrem Mann Sam und ihrer Tochter Alice. Sie ist eine sehr erfolgreiche Fotografin und widmet ihrer Leidenschaft viel mehr Zeit als es ihrem Familienleben gut tut. Trotz Ihrer Berühmtheit, trotz ihres Erfolges vermittelt sie nicht den Eindruck einer glücklichen Frau.

Sie lebt in ihrem eigenen Kosmos und lässt Menschen nie nahe an sich heran, auch nicht ihren Mann und ihre Tochter; die Ehe ist an der Kippe udn droht zu scheitern. 

Ihr Leben begann auf der Insel Gotland, wo sie zur Welt kam. Ärmliche Verhältnisse prägten ihre Jugend, gemeinsam mit ihren Geschwistern, zwei jüngeren Brüdern. Die Schilderungen der Autorin über diese Zeit sind  berührend, das karge Leben, ohne Vater – er sitzt im Gefängnis -, mit einer Mutter, die mit sich selbst nicht zurecht kommt, die in Selbstmitleid versinkt. Eine unbeschwerte Kindheit ist den drei Geschwistern nicht vergönnt.

Die Autorin erzählt in unterschiedlichen Zeitsträngen, beginnend mit dem Jahr 1979 bis 2017, die mit viel Emotionen behaftete Geschichte. Mir ist das streckenweise etwas zu leidvoll und langatmig.

Zuflucht sucht Elin bei ihrem Freund Fredrik, der ihr eine Stütze wird. Sein Anker in seiner auch nicht  glücklichen Kindheit ist das Firmament mit seinen Sternen. In diesem tristen Leben gibt es für Elin jedoch auch Lichtblicke: ihre Tante Gerd und eine alte Frau, die ihr mit ihren vielen Büchern die Schönheit des Lesens eröffnet.

Ein Unglück in ihrer Kindheit lässt Elin wohl zu der Frau werden die sie ist – in sich verschlossen, lässt sie niemanden an sich heran.

Zu Beginn fühlte ich bei der Lektüre des Buches Mitleid, Mitgefühl und Trauer über das trostlose Leben des Mädchens.  Je weiter ich an der Entwicklung am Leben von Elin als erwachsene Frau Anteil hatte, desto mehr schwanden aber meine Sympathien für sie.Denn sie unternimmt keine Versuche sich von ihrer Vergangenheit zu befreien. Ihre damaligen Erlebnisse hat sie fast verdrängt, in ihr Unterbewusstsein geschoben. Dadurch ist wohl  ihr Verhalten zu erklären, sie ergeht sich in Selbstmitleid und brüskiert ihr Umfeld durch Launenhaftigkeit, durch Unpünktlichkeit bei ihrer Arbeit und durch ein gar nicht liebevolles Verhalten ihrer Familie gegenüber.

Für mich ist das  ein Ausdruck von Egoismus. Ein Brief aus ihrer Vergangenheit und das couragierte Verhalten ihrer Tochter Alice führen dann doch noch zu einem guten Ende. Tja, wie das Leben oft spielt.

Sofia Lundberg versteht es sicher, mit Spannung, mit viel Einfühlungsvermögen, mit anschaulichen Schilderungen über das Leben von Menschen, für mich etwas langatmig, Menschen für ihr Buch zu begeistern. Nicht vergessen zu erwähnen darf ich ihre Schilderungen über Land und Leute, die mir gut gefallen, teilweise auch erschüttert haben.



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