Buchbesprechung/Rezension:

Michael Crichton, James Patterson: Eruption

Eruption
verfasst am 01.07.2024 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Crichton, Michael
Genre: Thriller
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Idee, Story und Teile des Manuskripts stammen von Michael Crichton, der diesen Thriller aber nicht mehr vollenden konnte. Das hat nun James Patterson übernommen, einer der aktuellen „Großmeister“ des Thriller-Genres.

Kaum habe ich mit dem Lesen begonnen, fühle ich mich schon hineinversetzt in einen neuen Roland Emmerich-Blockbuster. Denn alle Zutaten sind da, als wäre der Thriller schon von Anfang an als Drehbuch geschrieben (was ja auch nicht ganz unwahrscheinlich ist …)

Eine Naturkatastrophe riesigen Ausmaßes droht, als klar ist, dass der Mauna Loa, der riesige aktive Vulkan auf Hawaii ausbrechen wird. Unter der Leitung von John MacGregor vom Hawaiian Volcano Obervatory arbeitet sein Team daran, die wahrscheinlichen Szenarien für den Ausbruch vorherzuberechnen. Aufwand und Stress genug, eine weite Verschärfung der Lage braucht niemand.

Eine Katastrophe alleine ist nicht genug

Während MacGregor uns seine Leute versuchen möglichst genau zu berechnen, welche Richtung der Lavastrom nehmen wird, welche Regionen und Orte gefährdet sind, wird er mit einer für ihn völlig neuen Bedrohung konfrontiert. Es beginnt mit der Aufforderungen in ein Fahrzeug der US-Army zu steigen, das ihn zu General Rivers bringt. Der ist niemand geringerer als der Vorsitzende der Stabschefs und seine Anwesenheit zeigt, wie kritisch die Lage rund um den Mauna Loa in Wirklichkeit ist. Rivers weiht MacGregor in ein bisher bestens gehütetes Geheimnis ein. Im Mauna Loa ist ein Lager für eine Substanz eingerichtet, die für Menschen, die Natur, für alles Leben tödlich ist, wenn sie freigesetzt wird. Es geht um nichts anderes als um das Ende oder das Überleben der Menschheit. Denn wenn die Lava in das Lager eindringt, werden die Behälter dem nicht standhalten.

Es bleibt wenig Zeit, um diese ultimative Katastrophe abzuwenden.

Auslöser und damit zentrales Thema des Thrillers sind die Dummheit, dass die US Army in einem aktiven Vulkan ein tödliches Material lagert. Hmmm … das ist vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen, aber für einen richtigen Reißer braucht man eben auch ein richtiges Höllenszenario. Deshalb denke ich nicht weiter darüber nach, ob die US-Army jemals so eine Dummheit begehen würde und widme mich der Spannung und Dramatik der Ereignisse, die sich daraus ergeben.

Crichton und Patterson: Virtuelle Co-Autoren

Unklar ist, wie viel der Story noch aus der Feder von Michael Crichton stammt und wo Patterson übernommen hat. Für mein Gefühl ergeben sich aus dieser Co-Autorenschaft jedenfalls einige Abstimmungsprobleme. Die Personen der Handlung bleiben oberflächlich, da hat die Übernahme nicht gut funktioniert.

MacGregor und sein Team, General Rivers, der direkt vom Präsidenten entsandt wurde, der überhebliche und selbstverliebte Milliardär, die Naturfilmerin und der Naturfilmer, die vor allem auf spektakuläre Aufnahmen aus sind. Viele unterschiedliche Typen, viele Konflikte, aber auch recht viel klischeehafte Charakterisierungen. So wirklich näher ist mir keine der Protagonistinnen gekommen.

Die Handlung umfasst die 116 Stunden bis zur Eruption, in denen sich das Szenario von Naturkatastrophe zu Armageddon erweitert. Es wird spannender, als der Countdown sich dem Moment näher, für den der Ausbruch des Vulkans berechnet wurde.

Bei aller Spannung neigt Patterson aber recht oft dazu, zu viel zu wollen. Wenn beispielsweise jemand zwecks Egotrip mit dem Hubschrauber in den Krater eines schon ausbrechenden Vulkans fliegt, dann ist das für meinen Geschmack etwas übertrieben. Es wird viel gestorben, doch die Frauen und Männer, die während der Ereignisse ums Leben kommen, hinterlassen keine Lücken, sie sterben und nichts bleibt von ihnen.

Zusammengefasst:
Eine etwas missglückte virtuelle Zusammenarbeit zweier Autoren, die einzeln, jeder für sich zu dem Thema wohl einen viel besseren Thriller geschrieben hätten. Aus den Skripten und Notizen von Michael Crichton hat James Patterson einen handwerklich zwar einwandfreien, aber leider keinen mitreißenden Thriller fertiggestellt.




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