Mona Horncastle: Margarete Schütte-Lihotzky
Architektin – Widerstandskämpferin – Aktivistin

verfasst am 16.12.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Biographie, Horncastle, Mona

Sie war eine ganz besondere Frau. Durch einen befreundeten Architekten bin ich das erste Mal vor ca. 30 Jahren auf diese bemerkenswerte Frau aufmerksam geworden. Der Öffentlichkeit wurde sie bekannt durch die „Frankfurter Küche“. Das alleine wird ihr aber nicht wirklich gerecht. Sie war eine sehr politisch engagierte Frau, soziale Anliegen begleiteten sie ein Leben lang.  Für sie war Architektur eine gesellschaftliche Frage, zu einer Zeit, wo sich die ersten Bewegungen gegen die sozialen Ungerechtigkeiten zu Lasten der unteren Bevölkerungsschichten bemerkbar machten.

Margarete Schütte-Lihotzky war die erste Frau, die in Österreich Architektur studierte. Doch bis es zum Studium kam war es noch ein weiter Weg. Schließlich erkannte Oskar Strnad  ihr großes Talent und nahm sie in seine Vorbereitungsklasse auf.

Sie erlernte die erforderlichen Grundvoraussetzungen für ein Studium.

Entwerfen von Architektur war für sie immer im Zusammenhang mit den funktionalen Bedingungen einer Arbeit. In ihrer sozialen Verantwortung war für sie der Wohnbau ein Widerspiegeln der Lebensgewohnheiten der Menschen. Von nahezu unmenschlichen Wohnverhältnissen für viele Arbeiter ging ihr Streben dahin, für diese Menschen ein Umfeld an leistbarem Wohnen zu schaffen.

Für sie stand nicht im Vordergrund „schöne“ Architektur zu schaffen, die soziale Nutzbarkeit stand bei ihren Arbeiten an erster Stelle. Ihre Arbeiten reichten von der Planung vorgefertigter Einzelmöbel und Einbauküchen bis zu Kernhäusern, als kleinste Hauseinheit, bis zu Kindergärten, Schulen und Großstadtplanungen. Den finanziellen Aufwand für die Projekte so wirtschaftlich, so niedrig wie möglich zu halten, um die Benutzung leistbar zu machen, war für sie ebenso ein großes Anliegen. In ihrer Frankfurter Zeit entstand im Zusammenhang mit dem Sozialwohnbau ihre berühmte Frankfurter Küche.

Diese Frau war keine Angepasste. Zu Hitlers Zeiten hatte sie sich dem Kommunismus zugewandt. Aufgrund ihrer politischen Einstellung entkam sie knapp einer Hinrichtung.

Margarete Schütte-Lihotzky war eine beeindruckende, sozial sehr engagierte Persönlichkeit, die Ihre Zeit prägte. Nicht nur durch ihre Architektur, sondern auch durch ihre Unangepasstheit, durch ihr politisches, ihr soziales Engagement. Sie setzte sich für Demokratie, Gleichberechtigung, Abrüstung ein. Sie blieb sich selbst immer treu, und war wohl ein Mensch, der sich von seinen Überzeugungen durch nichts von  ihrem Weg abbringen ließ. Ihr Lebensresumee war  „Hätte ich nochmals zu wählen, ich würde wieder Architektin werden“.

Die Autorin dieses Buches führt die Leserschaft mit enormer  Sachkenntnis durch das Jahrhundert der Margarete Schütte-Lihotzky, und vermittelt viel Geschichtliches aus unserer nicht sehr lange zurückliegenden Vergangenheit.

Ein überaus  lesenswertes Buch mit vielen Fotos, eine spannende, empfehlenswerte Lektüre.



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