Buchbesprechung/Rezension:

Gabriele Reiterer: Anna Mahler
Bildhauerin – Musikerin – Kosmopolitin

Anna Mahler
verfasst am 06.10.2023 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Reiterer, Gabriele
Genre: Biographien
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Anna wurde am 15. Juni 1904 als zweite Tochter des Ehepaares Alma und Gustav Mahler geboren. Die beiden nannten sie aufgrund der veilchenblauen Augen „Gucki“.

„Die Wehen setzten in einer Juninacht ein, erzählte Alma. Sie öffnete die Fenster und draußen ,blühte, rauschte, sang’ alles. Sie hatte keine Angst, obwohl die Geburt der ersten Tochter Maria schwierig gewesen war. Als die Wehen im Morgengrauen stärker wurden, weckte Alma Gustav, der sich rasch einkleidete und die Hebamme holte. Als er zurückkehrte begann er, Alma Immanuel Kant vorzulesen, um ihre Schmerzen ,wegzusuggerieren’. Er las und las mit monotoner Stimme, bis ihn die Hebamme schließlich hinauswarf.“

Gustav Mahler nahm eine patriarchale Stellung innerhalb seiner Familie ein. Während des Essens durfte nicht gesprochen werden, auch seinem straff geplanten Arbeitsleben mussten sich alle unterordnen. Die Ehe von Gustav und Alma war disharmonisch. Alma fiel es schwer sich unterzuordnen und auch mit der Treue nahm sie es nicht so genau.

Trotz seiner gebieterischen Art besaß Gustav Mahler wohl auch viel Herz. In einer Szene, in der Alma nicht essen wollte, hat mich sein Verhalten positiv überrascht.

Anna rückte erst im Alter von 3 Jahren vermehrt ins Blickfeld ihres Vaters. Zu diesem Zeitpunkt starb ihre Schwester Maria an Diphtherie. „Ab nun genoss sie seine ungeteilte Aufmerksamkeit.“

Im Alter von 4 Jahren reiste Anna mit ihrer Familie nach New York, wo ihr Vater im Jahr 1911 an einer Herzinnenhautinfektion erkrankte. Er wurde todkrank nach Wien gebracht, wo er schließlich verstarb.

Anna lernte Klavier, Cello und Geige und ging bereits mit 15 Jahren eine Ehe ein. Es war nicht ihre letzte Eheschließung, denn es sollten deren noch 5 weitere folgen. Ihr weiteres Leben verlief aufregend und abwechslungsreich, wobei sie, was Männer betraf genau wie ihre Mutter nicht zurückhaltend war. So zählte sie viele Liebhaber, auch während ihrer Ehen.

Leider wurde das künstlerische Schaffen von Anna in Österreich erst gegen Ende ihres Lebens wertgeschätzt.

„Jetzt habe ich Erfolg, wo es wirklich zu spät ist.“

Manche ihrer bildhauerischen Werke werden als sehr ausdrucksstark beschrieben, andere als laienhaft. Der Musik war sie ihr Leben lang besonders zugetan.

Wenige Wochen vor der ersten Ausstellung in Österreich starb sie 83-jährig in London.

Von Österreich hielt sie nach ihrer Flucht nicht mehr viel. Bis zum Schluss reagierte sie gereizt, wenn man sie darauf ansprach, ob sie wieder nach Österreich zurückkehren möchte.

Mein Fazit:

Anna Mahler ist der 8. Band der Biografiereihe „Kluge Frauen“ des Molden Verlages und mein erstes Werk, das ich aus dieser Reihe gelesen habe.

Gabriele Reiterer schaffte es gleich zu Beginn, dass ich richtiggehend in das Leben von Anna Mahler eintauchen konnte. Neben ihrer Lebensgeschichte fließen auch die wichtigsten historischen Ereignisse zu ihrer Lebzeit in die Biografie ein. So werden Themen wie Kunst, Industrie und die Lebensweise der damaligen Gesellschaft beschrieben.

Die Biografie ist kein blumig erzählter Roman, sondern eine wissenschaftliche Abhandlung mit vielen Fotos, Fußnoten, Erklärungen und Zitaten. Alles wird ausführlich beschrieben. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin gleich auf den ersten Seiten erklärte, wie sie an die Informationen über Anna Mahler gelangt ist. Die Liste der Anmerkungen und Literaturhinweise auf den letzten Seiten des Buches ist sehr lang.

Zusammengefasst eine sehr spannende, informative und gewissenhaft recherchierte Biografie über Anna Mahler.




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