Buchbesprechung/Rezension:

Bernhard Aichner: Dunkelkammer
Ein Bronski Krimi (1)


verfasst am 26.03.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Aichner, Bernhard, Kriminalromane
LiteraturBlog Bewertung:

Auf Max Broll folgt David Bronski – auf den Totengräber der Fotograf: Bernhard Aichner hat einen neuen Hauptdarsteller für seine High-Speed-Thriller erfunden. Gemeinsam haben beide ihre Heimat Tirol, dort wo sich zwischen den hohen Bergen unglaubliches zuträgt.

David Bronski nun also. Als Fotoreporter eine anerkannte Größe in seinem Beruf, als Mensch nicht einfach; man wird noch erfahren, warum er so eigenartig geworden ist. Ein Anruf eines früheren Kollegen veranlasst ihn, umgehend ins Auto zu steigen und, alle Geschwindigkeitsbeschränkungen missachtend, von Berlin nach Innsbruck zu rasen.

Weil dort nämlich eine ganz unglaubliche Story darauf wartet, von Bronski dokumentiert zu werden. Der alte Kollege, inzwischen obdachlos, Alkoholiker, kaputt, ist in einer eisigen Nacht auf der Flucht vor der Kälte in eine Wohnung eingestiegen und hat eine Leiche gefunden. Eine kopflose Leiche, die dort schon seit mehr als zwanzig Jahren liegt.

Noch bevor die Polizei vom Fund erfährt, hat Bronski seine Bilder geschossen, den Fundort durchsucht; und etwas gefunden, womit er niemals gerechnet hätte. Eine Nachricht aus der Vergangenheit, aus seiner eigenen Vergangenheit. In der liegt auch vergraben, was sein Leben völlig auf den Kopf stellte und das er noch immer mit sicher herumträgt.

Es wird eine Story, die auch in der Öffentlichkeit für Aufruhr sorgt, denn die Ermordete war reich und bekannt.

Hätte Bronski nun nicht die Unterstützung seiner Schwester Anna Dragic, die als Privatdetektivin genau weiß, was in solchen Fällen zu tun ist, und seiner Kollegin Svenja, die mit ihren Fragen die nötige Klarheit in die Nachforschungen bringt, er wäre an diesem Fund in der Wohnung zugrunde gegangen. Hätte sein Leben weggeworfen.

Von Bernhard Aichner weiß man folgendes: Seine Thriller sind Pageturner, so schnell wie seine Romane liest sich sonst kaum ein Buch, man kann einfach nicht aufhören. Seine Storys sind dunkel, seine Mörder sind raffiniert, die Spannung ist immer zum Greifen. Das trifft auch auf „Dunkelkammer“ zu, jedenfalls zum großen Teil. Denn auch wenn sich natürlich viele der Ereignisse erst viel später im Laufe der Ereignisse klären, erscheint mir der Roman doch vorhersehbarer und weniger packend als die zuletzt veröffentlichten Bücher Aichners.

Das Tempo ist hoch wie immer, man kommt mit dem Umblättern kaum nach und hat doch jeden einzelnen Satz auf jeder Seite gelesen (und nicht vielleicht das eine oder andere quergelesen). Aber der letzte Kick fehlt mir diesmal, zu viele absonderliche Wendungen trüben die Spannung. Aber, um das klarzustellen: wäre es kein Thriller von Aichner, sondern von einem Newcomer/einer Newcomerin, wäre ich hellauf begeistert von diesem Roman; das ist eben der Fluch der hohen Erwartung …

Wie schon die Hauptdarstellerin Blum in Aichners zuletzt erschienener Thriller-Reihe „Totenfrau“ benötigt auch David Bronski sicher nur ein wenig Anlauf, um in einem perfekten, Aichner-typischen Roman die Hauptrolle zu spielen.

Ob das so ist, das kann man noch in diesem Jahr überprüfen, wenn schon im Sommer der zweite Bronski-Krimi erscheint. Ich bin schon sehr gespannt!




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