Bernhard Aichner: Leichenspiele
Ein Max-Broll-Krimi

verfasst am 09.09.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Aichner, Bernhard, Kriminalromane

Wohin einen die Sucht führen kann. Direkt in den Abgrund. Und genau das ist es, was mit Johann Baroni passiert. Viel verdient, alles verspielt, nichts ist geblieben ausser Schulden. Ein paar Monate sind seit den letzten Vorfällen vergangen und jetzt ist Baroni am Ende und Max Broll, sein  Freund, sein einzig verbliebener Freund, ist seine letzte Hoffnung.

Doch, man kennt das aus den Medien, aus Erzählungen, eine Sucht findet meistens kein Ende, sie fordert immer wieder ihren Tribut. Und obwohl Baroni schon am Boden ist, schafft er es, noch tiefer zu versinken. Und diesmal zieht er den Max gleich mit hinunter.

Die Geschichte dazu ist so verrückt, so verquer, dass sie schon fast wieder wahr sein könnte. Baroni findet also ein Kuvert mit 20.000,- Euro vor seiner Türe, sein Hirn setzt aus und er verzockt in Windeseile das ganze Geld. Nicht so schlimm, könnte man vielleicht denken, würde da nicht der unbekannte Geldspender mit einer Bitte an Baroni heran treten, die dieser nicht ablehnen kann (ausser er möchte alles zurück zahlen oder seinen männlichsten Körperteil opfern…).

Er, Baroni,  möge doch so freundlich sein, seinen Freund Max Broll zu bitten, beiliegendes Paket am Friedhof unter die Erde zu bringen. Da mag sich Baroni noch so sehr dem Offensichtlichen verschließen, das, warum es hier geht ist, eine Leiche möglichst unauffällig verschwinden zu lassen. Wie sich wenig später herausstellt eine Leiche ohne Innereien, die hatten die Unbekannten für diverse Organverschiebereien benötigt.

Das alles belastet die Freundschaft der beiden zwar, doch Max kann sich Baronis Drängen auf Mithilfe nicht widersetzen, steht doch dessen körperliche Unversehrheit auf dem Spiel. Nun also, die Leiche verschwindet, ausgerechnet im, bzw. unterhalb des Grabes des Alt-Bürgermeisters.

Als geübter Krimileser weiss man nun: das kann es wohl noch nicht gewesen sein. Stimmt! Denn ein paar Wochen später trudelt der doppelte Betrag samt 2 Leichen im Schlepptau bei Baroni ein. Und ab jetzt wird es haarig.

Haarig natürlich was das weitere Schicksal von Max und Baroni angeht. Haarig vor allem aber auch, was die Fantasie von Bernhard Aichner betrifft: Denn, so schnell kann man gar nicht schauen/lesen, verwandelt sich ein Buch, das man zu Beginn als Krimi in die Hand nahm, zu einem, wie soll ich sagen –  Rocky-Horror-Picture-Book.

In den Grundzügen von Handlung und Stil ist dieses Buch eine Fortsetzung der zwei bisherigen Max Broll-Krimis, doch in der Umsetzung ist etwas anderes daraus geworden. Eine ausgesprochen skurrile Geschichte, mit manchmal so vollkommen schrägen Dialogen und Wendungen, dass man dabei quasi das Buch schräg halten muss um sie lesen zu können.

Überhaupt die Dialoge: die sind in diesem Buch die Hauptträger der Geschichte und dabei wird recht oft mit harten Bandagen dialogisiert. Soll heissen: man (Max, Baroni, die Bösen, …) spricht so, wie einem der Schnabel gewachsen ist und lässt sich nicht durch irgendwelche gesellschaftlichen Konventionen von verbalen Derbheiten abhalten.

Aichner lässt sich durch nichts davon abhalten, die Handlung zu einem furiosen Krimi-No-Sense-Just-Nonsense-Theater zu machen. 

Es dauert ein wenig sich darauf einzustellen, wenn man die beiden Vorgängerkrimis gelesen hat. Denn (siehe oben), hier herrschen andere Sitten, die Spannung wird zugunsten der Skurrilität zurück gefahren.

Ist das geschafft, wird dieses Buch zu einem der schnellst-lesbaren Bücher, die ich jemals in der Hand hatte (und zwar ganz ohne Querlesen, sondern Wort für Wort, Satz für Satz).


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