Peter Heather: Die Wiedergeburt Roms
Päpste, Herrscher und die Welt des Mittelalters

verfasst am 16.08.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Geschichte, Heather, Peter

Mein Wissen über das frühe Mittelalter erschöpft sich in dem, woran ich mich aus dem lange zurück liegenden Geschichtsunterricht erinnern kann. Das ist außer ein paar Namen wie Odoaker, Theoderich und Konstantin nicht mehr wirklich viel.

Gleich zu Beginn: das Wissen und die Art, wie es in „Die Wiedergeburt Roms“ aufbereitet ist, lassen sich in keiner Weise mit meinem Geschichtunterricht vergleichen. Denn Peter Heather verknüpft, zeigt Verbindung auf, erklärt, analysiert und begründet in einer ganz und gar nicht schulmeisterlichen Form.

Die Anforderung an die Beschreibung der Geschichte in der 2. Hälfte des ersten Jahrtausends n.Chr. ist, so viele Strömungen, so viele Schauplätze miteinander in Verbindung zu bringen; eben alles das, was in Fortführung des zerfallenen (West)Römischen Reiches über viele Etappen zu der Welt geführt hat, wie wir sie – politisch und kulturell betrachtet – heute kennen.

Auf dem Gebiet dieses riesigen Reiches entstanden alle jene Strömungen und Vorgänge, die unsere Gegenwart prägen: die EU, der Nahe Osten mit seinen unzähligen Brennpunkten, die Spannungslinie zwischen Europa und Asien. Nicht zu vergessen die Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam, die wohl der eigentlichen Zündstoff für die seit damals und bis heute andauernden Konflikte sind.

Was hätte man nur alles vermeiden können, wäre aus dem ursprünglich zwar mit dem Schwert entstandenen Römischen Reich und der darauf folgenden jahrhundertelangen mehr oder weniger friedlichen Integration im Inneren ein dauerhafter Staat entstanden – abgesehen von dem Umstand, dass wir alle Latein beherrschen würden?

Peter Heather erzählt von den Jahrhunderten nach dem Sturz des letzten Weströmischen Kaisers. Davon, wie es ein ganze Reihe von Versuchen gab, dieses alte Reich wieder zu errichten. Die Oströmischen Kaiser, der Gote Theoderich, Kaiser Karl der Große. Es gab immer wieder kurzzeitige Erfolge bei diesen Versuchen, doch sie scheiterten spätestens schon wenige Generationen nach dem Tod des Mannes, der diesen Versuch unternommen hatte.

Das Scheitern der politischen Versuche der Wieder-Errichtung des Römischen Reiches ebnete am Ende – so Heather – den Weg für das Papsttum. In den ersten Jahrhunderten keineswegs als die zentrale Autorität der Christenheit anerkannt, entstand der Kirchenstaat auch mit der Hilfe einzelner weltlicher Herrscher und überdauerte als Nachfolger des alten Römischen Reiches die Zeiten.

Die gewaltige Menge an Namen, Daten und Jahreszahlen hätte zur besseren Übersicht eine Zeittafel verdient. Das ist aber schon meine einzige nicht ganz so positive Anmerkung zu diesem Buch.

Geschichte, spannend und wie ein Roman beschrieben und voller neuer Erkenntnisse.

PS: mein Geschichtsunterricht hat mir doch ein bisserl geholfen. Denn daraus blieb mir der „Historische Weltatlas – Putzer, Lendl, Wagner“, mit dessen Hilfe ich mir einen sehr guten Überblick über die Zeit verschaffen konnte.



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