Christian Klinger: Blutschuld
Marco Martins vierter Fall

Leicht verdientes Geld; eine einfacher Auftrag in Triest, inklusive kostenloser Übernachtung in einer Stadtwohnung und ein wenig Zeit für eine Stadtbesichtigung. Das hört sich gut an, aber vielleicht hätte Marco Martin doch länger als ein paar Sekunden darüber nachdenken sollen, warum sein Auftraggeber ausgerechnet einen Privatdetektiv aus Wien damit beauftragt, ein Möbel in Triest entgegen zu nehmen.

Als er endlich beginnt, diesbezüglich intensivere Überlegungen anzustellen, ist es zu spät. Da steckt Marco Martin bereits in Schwierigkeiten, eine alte Frau und ein obskurer Nachbar sind tot und sein Pass ist bei den Carabinieri in Triest in Verwahrung. Also wird es nichts mit Sightseeing und Wandeln auf den verblassenden Spuren der Habsburger-Vergangenheit der Stadt, vielmehr sind Panik und Flucht angesagt.

Marco Martin ist zurück mit seinem vierten Fall und diesmal schafft er es, sich selbst ganz tief in die … den Morast zu reiten; und das während gleichzeitig auch noch seine Beziehung mit Anne auf der Kippe zu stehen scheint.

Zurück zum Auftrag: Rechtsanwalt Lichtenfels schickt Marco Martin nach Triest um dort ein Möbelstück in Empfang zu nehmen. Dieses entpuppt sich bei der Anlieferung durch die Spedition als antiker Sekretär, eine Replik, wie Lichtenfels erklärt hatte. Doch Marco nimmt es in Augenschein und hat so seine Zweifel, viel mehr scheint ihm das Möbel ein Original zu sein. Womit wir genau bei dem Moment angelangt sind, ab dem es für ihn beginnt ungemütlich zu werden.

Einen Fenstersturz, eine verdächtige Begegnung im Krankenhaus in Triest und eine Grenzüberquerung mit falschen Pass später findet sich sich der Nicht-So-Meister-Detektiv wieder in Wien. Von Lichtenfels möchte er jetzt Aufklärung (vergeblich) und dessen Hilfe als Anwalt von seinem Onkel Alfred erhofft er sich Hilfe bei der Klärung, ob es sich bei dem Möbel um ein Original oder eine Replik handelt. 

Was Marco noch nicht weiß: er ist mitten in einen länderübergreifenden illegalen Handel mit Kunstwerken geraten. Und in dieser Branche wird nicht zimperlich mit unerwünschten Zeugen umgegangen.

Christian Klinger erzählt die Geschichte in knappen Sätzen, oft beinahe lapidar, meist schnörkellos. Dabei ist sein Hauptdarsteller eine Mischung aus Tollpatsch und Pechvogel, der viel zu oft das Falsche zum falschen Zeitpunkt unternimmt. Ja, hin und wieder möchte man ihm zurufen, dass er zu leichtgläubig, zu ungestüm, ist und er damit in Schwierigkeiten kommen könnte. Dann aber ist es schon wieder zu spät und Marco Martin erneut in ein Schlamassel geraten.

Auch wenn der vordergründige Hintergrund der Geschichte, die Martin bei seinem vierten Fall so schwer zu schaffen macht, recht bald klar zu sein scheint, gibt es da auch noch einen hintergründigen und anscheinend weit schwerer wiegenden (Hintergrund). Den zu enthüllen nimmt dann schon mehr Zeit in Anspruch und die Handlung nimmt auf dem Weg dorthin oft Wendungen, die man so sicher nicht erwartet hätte.

Die Adria liefert den Rahmen für eine rasante Handlung, die sich zwar gelegentlich ein wenig selbst im Wege steht, insgesamt aber viel Lesevergnügen bietet. Marco Martin als Privatermittler mit oftmals mehr Glück als Verstand ist dabei eine durchwegs sympathische Figur, die sich in kein klassischen Rollenbild eines Detektivs einordnen lässt.

PS: eine kleine Reklamation muss ich anbringen. Teile des Buches sind in einer anderen Schrift gesetzt – was grundsätzlich zur Handlung passt, jedoch nicht sehr lesefreundlich gesetzt ist (da hätte es sicher besser lesbare Schriftarten gegeben).


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