Jean-Yves Ferri : Der Papyrus des Cäsar
Asterix 36

Der 2. Band aus der Feder und dem Pinsel von Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnung), der 36. Asterix insgesamt. Diesmal stehen Cäsar und seine Biographie “Kommentare zum Gallischen Krieg” im Zentrum. Denn Cäser, das alte Schlitzohr, hat sich von seinem Verleger Syndicus dazu überreden lassen, diese lästige Geschichte mit “Ganz Gallien?” in seinen Memoiren einfach zu verschweigen; um behaupten zu können: “Ganz Gallien!”

Doch im alten Rom gibt es auch schon einen Vorgänger von Edward Snowden: der heisst Bigdata und ist Schreiber bei Syndicus und als solcher hat er die Biographie mit geschrieben und ist so gar nicht dafür, dass Cäsar einen Teil der Wahrheit unter den Tisch kehren will. Ein solcher Whistleblower braucht einen Abnehmer, der dafür sorgt, dass die brisanten Wahrheiten bekannt werden: dieser Abnehmer heisst Polemix und ist Korrespondent und Gallier. Folgerichtig macht Polemix sich umgehend – verfolgt von Syndicus´ Zensurkommando – mit der Schriftrolle, auf der Caesars unterschlagene Niederlagen schwarz auf weiß stehen, in der Tasche auf den Weg zum Dorf der unbeugsamen Gallier…

Ein Asterix-Band mit Bezug zur Gegenwart: von unterschlagener Wahrheit und beherzten Aufdeckern. Von Medienkampagnen und Hoheit über die öffentliche Meinung und das historische Vermächtnis. Das Wichtigste aber ist: einige Geheimnisse, auf deren Klärung man vom ersten Band an gewartet hat (nun ja, möglicherweise gewartet hat) werden endlich gelüftet.

Dazu kommt, dass wir es mit Schrecken hinnehmen müssen, dass viele unser angeblich so neuzeitlichen Errungenschaften zu Zeiten Cäsars bereits zum Alltag gehören (und damit sind nicht nur Whistleblower gemeint; wie heisst das eigentlich auf Latein?).

Amüsant, mit einigen atmosphärischen Anleihen bei Herr der Ringe und/oder Harry Potter, eine vergnügliche Lektüre für zwischendurch und ich hätte mir ein paar wirklich lustige Anekdoten gewünscht. Eines aber bleibt auf jeden Fall: auch der zweite Band von Ferri & Conrad ist um Welten besser als die Bände, die in den vergangenen Jahren von Uderzo alleine verfasst wurden. Wäre dies der erste Band einer neuen Comic-Reihe, würde ich nicht sofort annehmen, dass daraus ein jahrzehntelanger Erfolg wird; weil es aber Band 36 ist freue ich mich, dass die Reihe weiter besteht und werde, sehr traditionsverhaftet, auch den nächsten lesen.

Eine Anmerkung zur Gestaltung: die verwendete Schrift (nur Großbuchstaben)  ist auf dunklerem Hintergrund und kursiv gesetzt schlecht lesbar. Da sollte sich der Verlag bei einem nächsten Band etwas besseres einfallen lassen. Denn alleine die Schrift ist – wenn man sich im Netz umsieht, dann findet man diese Kritik sehr oft – ein Detail, der vielen das Vergnügen verleidet. (und das kostet in meiner Bewertung auch mindestens einen halben Stern)


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