Verena Mermer: die stimme über den dächern

verfasst am 16.09.2015 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Mermer, Verena, Romane

ein bisschen ungewohnt erschien mir die Kleinschreibung und die Seitengestaltung dieses Buches. Soweit zu Äußerlichkeiten.

Verena Mermer ist eine junge Autorin aus Nieder-Österreich. Sie ist eine der vielen Talente der österr. Literaturszene und hat mit diesem Buch einen wunderbaren Beweis für ihr schriftstellerisches Talent abgeliefert.

Verena Mermer schildert im Detail das Leben von vier jungen Menschen, die in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, leben. Im Mai 2011 kommt es zu Unruhen und friedlichen Demonstrationen. Die Menschen wehren sich gegen das autoritäre Regime, verbunden mit Korruption, und der Einschränkung von Pressefreiheit.

Mit viel Sensibilität und einem Hauch Melancholie schildert sie das Leben der beiden Paare, der vier jungen Menschen. Ich hatte allerdings beim Lesen einige Male das Problem die Texte zu verstehen. Schilderungen des täglichen Lebens wechseln sich ab mit Texten, die ich nur teilweise in den Ablauf des Geschehens einordnen konnte. Auch vom Stil benötigte ich einige Zeit um zu verstehen, was Verena Mermer meint. Aber all das schmälert keineswegs die Poesie dieses Buches und die Freude es zu lesen.

Die vier Freunde – Ali und Nino, und Frida und Che – sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Liebe der Protagonisten zu einander und die Freundschaft der Vier prägt ihren Alltag. Gemeinsam bewohnen Sie eine Dachgeschoss Wohnung mit nur wenig Komfort. Kraft ihrer Jugend und ihrer Liebe übersehen sie die Unzulänglichkeiten ihres zuhause. Dann ist da noch Richard, nicht durchschaubar. Ist er ein Freund, oder ein Agent der autoritären Regierung. Und Fuad, Bruder von Ali. Er liebt einen Mann. Obwohl Homosexualität in Aserbaidschan nicht wirklich verboten ist, wird sie offiziell doch nicht akzeptiert.

Die Revolution im Mai 2011 bringt für die vier Freunde neue Probleme, Ali wird verhaftet, Che landet ebenfalls irgendwann im Gefängnis. Nach ein paar Tagen sind sie Beide aber wieder frei. Durch das Bekannt werden, dass Ali an den Demonstrationen teilgenommen hat, verliert Nino – sie ist Lehrerin – ihren Job. Sie hält sich mit Nachhilfestunden über Wasser. Trotzdem kämpfen die Vier um ihre Liebe, um ihre Freiheit und um ein selbstbestimmtes Leben.

Es gibt auch in der Liebe der Vier Situationen, die sie für Momente vergessen lassen, dass Ali und Nino einander lieben, dass Ali Nino heiraten will, dass Frida und Che wohl füreinander bestimmt sind. Sie flüchten sich in einem Augenblick der Verzweiflung, des Gefühls der Hilflosigkeit , der Hoffnungslosigkeit in die Umarmung des/der Anderen.

Der Geschmack der Freiheit ist in Wahrheit der Geschmack des Verbotenen – der Beginn eines Zitates von Che Guevara (entnommen aus dem Roman). Das trifft wohl auf Vieles im Leben zu.



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