Peter Kimeswenger: Wem die Glocke schlägt
Ein Alpen-Adria-Krimi

Einmal Kriminaler, immer Kriminaler. Karl Heber ist so einer. Zwar in Pension und nicht einmal mehr in Österreich daheim sondern nach Slowenien übersiedelt, in sein Haus, die „Casa Loca“, dort wo er in Ruhe die kommenden Jahre genießen möchte. Doch dieses Polizisten-Gen, das hat sich so tief in ihm eingenistet, dass ein kleiner Anstoß genügt, um seine Ermittlerinstinkte zu wecken.

Anlaß für diesen Stubser ist ein Selbstmord in einem Weinkeller in Piran, der Stadt an der Adria. Selbstmord; wers glaubt! Zuerst jedenfalls tut das die örtliche Polizei, die nur deshalb mehr Aufwand betreibt als gewöhnlich, weil der Tote Ausländer, Italiener, war. Und das bringt ja bekanntlich (alte, internationale Polizisten-Weisheit) nichts als Scherereien mit sich, wenn so ein Fremder hierherkommt, um sich aufzuhängen. Da heisst es schnell zu einem Abschluß kommen und nicht zu viele Fragen stellen, mit deren Antworten man sich womöglich mehr Arbeit aufhalst.

Peter Kimeswenger bemüht sich sehr, die Atmosphäre der Beschaulichkeit, die in der Küstenstadt herrscht, zu vermitteln. Genau so, wie man sich eben eine Stadt im Süden vorstellt.  Und die Handwerker, die Heber engagiert, um sein neu gekauftes Haus zu seinem Heim auszubauen, enstprechen natürlich auch völlig dem Klischee der südländischen Nonchalance: es wird schon werden. Schwere Zeiten also für einen Mann wie Heber, der sein Leben lang Genauigkeit und Verlässlichkeit gewohnt war.

Wie die Gegend, so der Krimi. Viel Zeit geht ins Land, bis aus dem (von der Polizei bereits zu den Akten gelegten) Selbstmord ein Fall für Heber wird. Bis es soweit ist, hat man schon viel über Land und Leute erfahren, ganz im Stile der in den letzten Jahren verstärkt erschienen Regionalkrimis. Unschwer zu erkennen, dass dem Autor viel daran gelegen ist, uns diese Region ans Herz zu legen.

Mit einem Mal, beinahe hätte man es überlesen, geht es los mit der Krimihandlung. Das geschieht, indem die Schwester des vermeintlichen Selbstmörders bei Heber anruft – man kennt sich von einem Fall aus dessen aktiver Zeit als Polizist. Heber lässt sich als Privatermittler engagieren.

In Österreich, Italien, der Schweiz und Slowenien wird ermittelt. Wobei die Handlung sich immer wieder zwischen sehr detailreichen Schilderungen von diesem und jenem verliert. Es ist leichter, sich die diversen kredenzten und verzehrten Speisen (samt Zubereitung) zu merken, als der Geschichte selbst zu folgen.

So wird aus dem „Alpen-Adria-Krimi“ eine bedächtigt dahinfließende Story, die zwar mit wenig Spannung, dafür aber mit ausreichend Informationen über Istrien aufwarten kann.



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