Günther Neuwirth : Neumondnacht

verfasst am 04.08.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Neuwirth, Günter, Romane

Genau genommen ist von Anfang an klar, wer der Mörder ist. Ein Roboter machte Herbert Felder den Garaus! Die Art und Weise, wie der Unternehmer dabei zu Tode kommt erinnert ganz frappant daran, wie Felder sein Geld verdient: mit dem Zerlegen und Verteilen von Fleisch. Ein Fleischgroßhändler ist der Mann und einer der größten im Lande noch dazu. Der Täter ist klar, wer aber hat den Täter gesteuert?

Eine unsaubere Branche ist das – wie man in fast taglich aus den Medien erfahren kann. Von Gammelfleich über unglaubliche Zustände in der Massentierhaltung bis hin zu Medikamentenmissbrauch bei den Tieren reicht da die Palette der ungustiösen Meldungen und Herbert Felder ist einer, der, wäre er real, da ganz vorne in der Liga der der Bösen mitspielen würde.

In dieser Rolle hat er naturgemäß genügend Feinde und die Polizei erst einmal genügend Verdächtige. Ausgebootete Geschäftspartner, rüde behandelte Angestellte und zu vielem bereite Tierschützer auf der einen Seite. Auf der anderen betrogene und zurückgelassene Familienmitglieder oder von ihm schon längst angewiderte Geliebte. Ein Wunder, dass der Mann überhaupt so leben konnte, bei all den Feinden, die er sich da heranzog.

Günther Neuwirth lässt am Rande immer wieder Themen ins Buch, die in den vergangenen Monaten in allen Medien immer für Ausmerksamkeit, oft für Entrüstung sorgten. Es findet sich der gescheiterte Versuch einer verbohrte Justizbehörde in Wr. Neustadt, die eine Gruppe von Tierschützern zu einer Mafia- und Terrororganisation machen wollte. Es finden sich die Berichte über Schlachthöfe, in denen Tonnen von verdorbenem Fleisch, bereit zur Verarbeitung in Lebensmittel, gefunden wurde. Es finden sich die unglaublichen Zustände, die in der Hühner- und Schweinemast herrschen.

Dabei drängt Neuwirth uns diese Realitäten nicht auf, er lässt sie den Rahmen für dei Handlung bilden und alle, die die entsprechenden Nachrichten verfolgt haben, wissen Bescheid.

Die Untersuchung des Mordfalles liegt in den Händen von Christina Kayserling, aus der Neuwirth eine sehr sympatische Hauptperson der Handlung macht. Wie bei ihr, so versorgt er uns zu allen Charakteren mit gerade so viel Information wie nötig ist, um die Handlung weiter zu bringen. Aber allzu tief dringen wir dabei nicht ein, wissen ein wenig über alle und werden damit auch nicht durch zu viele Details vom Fortgang der Ermittlungen abgelenkt.

Der Kreis der Verdächtigen ist bald eingegrenzt und die Recherche über den Hintergrund der einzelnen Personen sorgt bald für immer neue Ergebnisse.  Als LeserIn wird man dabei aber nur wenig mitraten bzw. mitermitteln können, denn jene Hinweise, die letztendlich für die Aufklärung sorgen, die bekommen wir erst ganz zum Schluß. Was das Ende des Krimis etwas abrupt erscheinen lässt.

Ein sehr angenehm zu lesendes Buch, eine sehr angenehme, klare Sprache.

Mit Steyr als Zentrum der Ereignisse hat sich Günther Neuwirt jene Stadt ausgesucht, in der ich seit einigen Jahre lebe. Da hat es mich natürlich interessiert, was der Autor darüber zu schreiben weiß. Denn hier findet man einerseits eine sehr schöne alte Stadt, andererseits ist Steyr eines der größten Industriezentren Österreichs. Und auch die Lage der Stadt ist bemerkenswert: auf der einen Seite lehnt sich Steyr an die Ausläufer der Alpen an, auf der anderen dehnt es sich in jene Ebene aus, die Richtung Norden bis weit über die Donau reicht.

Ein wenig war ich dann enttäuscht, nur ganz wenig über Steyr gelesen und über Stadt und Land erfahren zu haben. Es hätte auch Leoben, Kufstein oder Zell am See sein können; irgendeine mittelgroße Stadt in Österreich eben.

Bleibt noch zu sagen, dass “Neumondnacht” ein sehr gut zu lesender Krimi ist (Marke: Sommer-Nachmittag, Schatten, Hängematte, Eistee, Lesen) der zwar nicht das ganze Register ausgezeichneter Bücher in diesem Genre zieht, aber auf jeden Fall genug, um in der Rubrik “empfehlenswert” zu landen. Hat Spaß gemacht!


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