Jacqueline Gillespie: Schindeln am Dach
Ein Schneeberg-Krimi

Was diesen Krimi vor allem ausmacht: es menschelt ungemein! Ob Patrick Sandor, Sektionschef bei der Polizei, oder Ignaz Müller, der Kriminalinspektor oder die alte Dame aus dem Dorf – lauter „Typen“, alle mit ganz eigenem, unverwechselbarem Charakter, alle sehr liebevoll gezeichnet und schwungvoll beschrieben.

Dass es daneben noch einen Mordfall in dem kleinen Ort Neiselbach in der Schneeberg-Gegend gibt, das stört die ländlich/menschliche Idylle kaum. Auch wenn sich niemand vorstellen kann, warum der Leonhard Goldbacher erschossen wurde und wer das getan haben könnte. Weil der Leonhard tot gleich neben der Wildfütterung gefunden wurde, könnte es vielleicht ein Wilderer gewesen sein?

Dr. Patrick Sandor nennt ein kleines Wochenendhaus in Neiselbach sein Eigen und was liegt da näher, als ihn, den hochgestellten Polizisten aus Wien, zu Hilfe zu rufen; denn der Dorfpolizist alleine wird wohl kaum Licht ins Dunkel bringen können.

Während man enorm viel über die Menschen erfährt, wie sie miteinander umgehen, wer wen leiden kann und wer wen nicht, wie die Verbindungen der Menschen im Ort zueinander funktionieren; während man also eintaucht in die Dorf-Geschichte(n) sammelt die Polizisten, ohne Eile, ganz dem Tempo der Gegend angepasst, Eindrücke und Informationen.

Dabei von einer Ermittlung zu sprechen würde den völlig ungerechtfertigten Eindruck von Polizeiarbeit, wie man sie so allgemein aus Krimis kennt, hervorrufen. Die Polizisten reden also mit den Leuten, die alte Dame hört dies und das und macht sich ihre Gedanken. Natürlich haben alle bald einen Verdacht, doch als geübter Krimileser lasse ich mich von solchen Offensichtlichkeiten nicht täuschen.

Ein Roman, wenig im Agatha-Christie-Stil, wenn man so will, nur viel vertrauter. Am Schneeberg eben anstatt St. Mary Mead.

Auch wenn es einen Mord gibt (ja sogar einen zweiten, etwas später) so schont Jacqueline Gillespie unsere Nerven und unser Gemüt und lässt alle jene Details weg, die die gute Laune trüben könnten. Man kommt ja auch ohne viel Blut und ohne Grauslichkeiten ans Ziel.

Lauschig, launig und amüsant zu lesen. Ein willkommenes Buch für einen entspannten Lese-Nachmittag.



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