Joseph Roth: Hotel Savoy

verfasst am 16.02.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Roth, Joseph

Hotel Savoy864 Zimmer hat das Hotel Savoy, auf 8 Stockwerken verteilt. Als Gabriel Dan aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurück kehrt, nimmt er ein Zimmer im Hotel Savoy. Nur solange, bis er genug Geld hat, um zu seinem eigentlich Ziel, Paris, weiter zu reisen.

Auf der sechsten Etage liegt sein Zimmer. Nach unten zu werden die Hotelgäste immer vornehmer, wohlhabender und genießen alle Annehmlichkeiten. Weiter nach oben zu wohnen die, die gerade so über die Runden kommen, die ihre ganze Habe in einem einzigen Zimmer verstauen können.

Gabriel Dan ist nur einer in der scheinbar endlos langen Reihe von Gästen des Hotels, die sich hier nur für ein paar Tage einmieten wollten. Vielen von ihnen blieben hängen, wurden Teil des Mikrokosmos. Hier sieht man alles, was das Leben biten kann:  Hinterlist und Einsamkeit, Gier und Armut, Krankheit und Liebe. Und auch den Tod.

Gabriel kam in die Stadt um  seinen Onkel aufzusuchen. Er würde ihm vielleicht das nötige Geld für die Weiterreise vorstrecken. Doch Gabriel bekommt statt dessen nur einen Anzug geschenkt, kaum getragen, aber perfekt passend. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich mit Gelegenheitsarbeiten das fehlende Geld zu verdienen.

Nicht einfach für einen Kriegsheimkehrer, der nichts handgreifliches gelernt hat. Schon gar nicht so kurz nach dem Ende des 1. Weltkrieges, als Armut und Arbeitlosigkeit jeden Winkel der Stadt bestimmen.

Hoffnungsfrohe Erwartung keimt bei allen auf, als sich der sagenhafte und sagenhaft reiche Herr Henry Bloomfield zu einem Besuch ankündigt. Die Schieber erwarten sich gute Geschäfte, die Armen vielleicht ein wenig Arbeit, selbst Gabriel Dans Onkel verspricht sich Unterstützung bei seinen geschäftlichen Vorhaben. Alles erstarrt beinahe in der Vorfreude auf die Heimkehr des berühmten Sohnes der Stadt.

Große Söhne haben großen Eigenarten: Bloomfields ist die, im Hotel Savoy unbedingt das Zimmer mit der Nummer 13 zu beziehen.

Während der Zeit des Wartens kommen immer neue Gäste im Hotel Savoy an. Und für die, die nur kurz bleiben wollen wird es mit jedem Tag, den sie hier bleiben, schwieriger abzureisen, sich aus dieser Welt loszureißen. Gabriel Dan ist einer von ihnen. Je länger er bleiben muss, desto tiefer taucht er ein, desto mehr wird er Teil der Gemeinschaft.

1924 (das Jahr, in dem „Hotel Sovoy“ erschien) war ein Jahr zwischen den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nachbeben des 1. Weltkrieges und dem kurzen Hochgefühl in der zweiten Hälfte der 1920er.

Joseph Roth pendelt in seinem Roman zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit – ganz so wie diese Zeit. Dafür findet er genau die richtige Sprache, damit wir auch heute noch ein wenig davon verstehen können.


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