Niki Glattauer: Mitteilungsheft: Leider hat Lukas…

verfasst am 23.12.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Glattauer, Niki, Satire

LukasDas Schreiben liegt den Glattauers im Blut. Wobei sich die Brüder Glattauer nicht nur die Leidenschaft fürs Schreiben selbst sondern auch die verwendeten Stilmittel teilen. Wer sich mit dem Aufbau von „Gut gegen Nordwind“ anfreunden konnte, wird auch dieses Buch gerne lesen. Und wer auf viel Ironie steht, der wird dieses Buch lieben.

Es gibt in Österreich wenige Themen, an denen sich die Gemüter derart erhitzen können, wie am Thema LehrerInnen. Die einen verteidigen vehement das, was sie haben, für die anderen ist der Berufsstand insgesamt der reinste Privilegienstadl. Wie immer, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen und Niki Glattauer beweist und dokumentiert das auf großartige und mehrfach urkomische Art und Weise.

Ungeduldige Eltern(teile) treffen auf mental gepanzerte Lehrerinnen und Lehrer. Was soll man da anderes erwarten, als sich stetig auftürmende gegenseitige Aversionen? Mitten drin dann noch mehr oder weniger unkooperative Heranwachsende, die sich mit Leidenschaft anders verhalten, als man es sich wünschen würde. Alles gipfelt in der Erkenntnis, dass einen weder der Job als Mutter, noch der als Vater noch der als LehrerIn eine ruhige Kugel schieben lässt; nein, wirklich nicht.

Lukas ist ein typischer Halbwüchsiger, der seine Erfüllung überall, nur nicht in der Schule findet (ja, ja das kenne ich sehr gut von mir … ), der ein Leben ohne Smartphone nicht kennt und dem schulische Anforderungen (Lernen, Aufpassen,  Hefte besorgen) völlig am A…. vorbei gehen. Dann ist da Sabine, sein Mutter, die sich als Feindbild die Klassenlehrerin von Lukas auserkoren hat; es würde nicht verwundern, hätte sie von dieser Frau Prof. Söllner irgendwo ein Poster, das sie regelmäßig mit Dartpfeilen bewirft.

Und dann Walter, Lukas‘ Vater. Der es übernommen hat/übernehmen musste, in der aufgeheizten Stimmung die Wogen zu glätten. Walter aber hat es dann schon gar nicht leicht. Wie soll er seiner Frau vermitteln, dass die Klassenlehrerin nicht so ganz die Furie ist, wie angenommen (ehrlich gesagt, ist sie sogar recht nett…). Wie soll er Lukas, der fortgesetzt alle schulischen Anforderungen ignoriert, durch diese Schulstufe bringen. Wie soll er zwischen mobbende Mitschülern, rechtschreibschwächselnden BS(=Sport!)-Lehrerinnen, Hofrats-Direktoren und den Mitgliedern seiner Familie vermitteln. Ohne dabei dauernd der Dumme zu sein…

Niki Glattauer erzählt aus der Sicht der Eltern, obwohl er selbst Lehrer ist. Aber weil viele Lehrer eben auch Eltern sind, fällt ihnen solch ein Rollen- und Perspektivenwechsel sicher auch leicht als „Nur-Eltern“, die keine Lehrer sind.

Das Buch erinnerte mich hin und wieder an eine Martin Rütter Show (der Hundetrainer), bei der im Publikum lauter Leute sitzen, die dauernd enthusiastisch mit dem Kopf nicken und jeden zweiten Satz Rütters mit einem „ja, genauuuu..!“ kommentieren. Ich schätze, genau so wird es vielen Eltern und Lehrern beim Lesen dieses Buches gehen.

Man sollte vielleicht dieses Buch den Betonköpfen, die bei uns beidseits des Tisches die Verhandlungen zum Thema Lehrer, Dienstrecht etc. dominieren, in die Hand drücken. Vielleicht verstehen sie dann einmal, dass es in der Schule nicht nur um eine Seite sondern um sehr viele Aspekte geht; und nicht um gewinnen oder verlieren  oder um „recht behalten“.


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