Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien

verfasst am 16.10.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Simenon, Georges

Ein schlechter Start: Maigret wird unvermittelt zum Schuldigen am Tod eines Mannes. So, als hätte er selbst den Abzug betätigt. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Mann noch leben würde, zumindest zu diesem Zeitpunkt noch, hätte sich Maigret nicht an seine Fersen geheftet und über mehrere Grenzen hinweg verfolgt.

In Bremen nahm der Mann seinen Revolver in die Hand und nahm sich mit einem Schuss in den Kopf das Leben. Während Maigret im Nebenzimmer nur verfolgen konnte was geschah, nicht aber helfen.

Zu Beginn erwachte in Maigret nur ein unbestimmtes Interesse an dem schäbig gekleideten Mann. Denn der sass nur wenige Tische von Maigret entfernt, packte gerade den nicht geringen Betrag von 30.000 Francs in einem Kuvert und schickte es nach Paris. Maigret, der gerade an keinem Fall arbeitete, beschloss also, dem Mann zu folgen. Mit dem Zug ging es von Belgien über die Niederlande bis nach Deutschland. Und beim Zwischenhalt an der deutschen Grenze tauschte Maigret den Koffer des Unbekannten gegen ein gleich aussehendes Exemplar.

Womit der Kommissar das Unglück in Gang setzte. Denn der Mann erkannte schnell, im Hotel  in Bremen angekommen, dass er nunmehr den falschen Koffer bei sich hatte, holte eine Pistole aus der Jackentasche und schoss sich eine Kugel in den Kopf. Während Maigret in Nebenraum noch gar nicht dazu gekommen war, den Inhalt des richtigen Koffers zu überprüfen.

Dass der dann nur Kleidungsstücke enthielt, machte den Selbstmord umso rätselhafter und vergrößerte das schlechte Gewissen des Kommissars umso mehr.

Das Opfer ist tot und der Täter ist zweifelsfrei bekannt.
Was bleibt denn da noch für einen spannenden Krimi?
Keine Angst: Es bleibt genug!

Es folgt ein Krimi, der für mich zu den wirklich sehr guten zählt (nicht nur von Simenon, sondern ganz allgemein). Da könnte man direkt ein Bühnenstück daraus machen oder einen Film (schwarz/weiß wäre nicht schlecht, aber Farbe ist auch ok.) Maigret stöbert sich durch die Fakten, die langsam auftauchen. Das ist der falsche Name des Opfers;  dann seine – nun was sind sie – Freunde? Kommilitonen? Geschäftspartner? Es sind seltsame und rätselhafte Spuren, die sich durch Frankreich und Belgien ziehen.

Maigret gerät selbst in Lebensgefahr, jemand ist hinter ihm her, während die Angelegenheit immer seltsamer, verworrener und spannender wird. Lange hatte ich überhaupt keine Ahnung, wie das alles zusammenhängen könnte. Immer wieder kommen kleine Erklärungen hinzu, die das ganze aber dann doch meistens nur noch geheimnisvoller machen.

Sieht man von den fehlenden Handys ab, wieder ein Simenon/Maigret-Krimi, der zu jeder Zeit zeitgemäß ist.


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