Franz Friedrich Altmann: Turrinis Leber

In Österreich sind Asylwerberinnen und Asylwerber eher nicht willkommen. Und wenn ja, dann bitte nicht direkt im Nachbarhaus.

Der Autor verpackt das Thema Ausländerfeindlichkeit geschickt in einen neuen Krimi. Die Hauptprotagonistin Gucki und ihr Alkohol schlabbernder Hund Turrini ermitteln im Mordfall Pfarrer Clemens Himmelfreund.

In Bad Gstettn solidarisiert sich Pfarrer Clemens mit Asylanteninnen und Asylanten. Er setzt sich dafür ein, dass in dem beschaulichen Ort im Mühlviertel Menschen aus fremden Ländern ein neues Leben beginnen können.

Das dies zu seiner Ermordung geführt haben könnte, darin ist sich die Provinzjournalistin Mag. Gudrun Wurm fast sicher. Der Pfarrer, aufgehängt in der Selchkammer! Mit einem Fleischerhaken im Genick!

Stöbert Gucki natürlich im Privatleben der Dorfgemeinschaft herum. Denn für die Mühlviertler Nachrichten zu schreiben und dann eventuell über einen spektakulären Mordfall berichten zu können, das wär schon ein Highlight. Zudem geht ihr diese Ausländerfeindlichkeit schon auch ans Herz. Abgestraft wird sie sofort, weil sie ihre Nase in Angelegenheiten steckt, die sie nichts angehen. Die Motorhaube ihres Porsches ziert bald die Aufschrift „Asylantenhur“.

Wobei die Überschriften in einschlägigen oberösterreichischen Waschblättern auch mit besonderen Titeln ihrer Storys aufwarten, wie etwa „Grausige Rache an Sex-Pfarrer“ oder „Porno-Pater schwarz wie der Teufel“ – wird doch glatt dem armen Pater Clemens, der vor langer Zeit mal Erzieher im Internat im Stiftsgymnasium Wilhering war, und da wird ihm Unzucht mit Buben unterstellt.

Gleichzeitig ermittelt die Linzer Kriminalpolizei im selben Fall. Otto Rammer, zuständiger Oberstleutnant in dieser Causa und Gucki können sich eigentlich gar nicht leiden. Oder doch?

Gucki verrennt sich allerdings dann doch in ihren Ermittlungen. Und wann kommen ihr die besten Ideen? Beim Tarockieren mit ihren Freunden und ein paar Bieren. Sie will dem Mörder eine Falle stellen…

Witziger Krimi, wenn auch manch derbe Aussprüche jedes Kapitel einleiten, die inhaltlich alle mit Alkoholkonsum – sprich saufen – zu tun haben. Beschreibungen von Rauschzuständen wie Damenspitz, fett wie ein Häuseltschik, Kampftrinken, angeflaschelt sein und die Herleitung dieser, bringen den Leserinnen und Leser den Mühlviertler Dialekt auf höchst philosophische Weise näher.

Schlussendlich hat mich allerdings die kampftrinkende Gucki und ihre Unart, ihrem Hund literweis Alkohol zu verabreichen, doch etwas genervt.


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