Miriam Pharo: Frikassee zum Frühstück (ISAR 2066)

Inzwischen ist es wohl bekannt, das München des Jahres 2066: es nennt sich jetzt München City, liegt vor der Umwelt abgeschirmt in einer Biosphäre und ist das Revier des Privatdetektiv Lucio Verdict. Es ist sein 2. Fall, in dem ein Chefparfumeur seine Nase in einen Blumenkübel gesteckt hat. Nicht freiwillig, das muss man dazu sagen, sondern weil er tot ist – und den genaue Bedeutung von „in den Blumenkübel gesteckt“ muss man sich selbst erlesen.

Lucio steht mehr zufällig dabei, als die Polizei am Tatort mit ihrer Arbeit beginnt. Ganz im Gegensatz dazu Jimmy der Mops (ja, genau jener, den wir schon vom 1. Fall kennen), den pures Eigeninteresse hierher getrieben hat. Und der Lucio auch gleich mit einem Auftrag in Beschlag nimmt: er solle den Kommunikator des Toten Parfumeurs besorgen.

Warum Jimmy das Gerät so dringend haben möchte, darüber schweigt er sich beharrlich aus (er könne ihm nicht mehr sagen, sagt er) und Lucio hat kein wirklich gutes Gefühl dabei, so ganz ohne Informationen an die Arbeit zu gehen. Doch was soll er machen, in seiner  Brieftasche (falls so etwas noch geben sollte) herrscht Ebbe und Geldnachschub wäre dringend vonnöten – also lässt er sich durch einen vernünftigen Honorarvorschuss umstimmen.

Und schon sind wir mitten drinnen in dieser gar-nicht-so-fernen Zukunftswelt, in der aus Smartphones unverzichtbare Universalkommunikatoren geworden sind (die dann vornehmlich unter der Haut getragen werden), in der man besser in einer Stadt mit künstlicher Umwelt als draussen in feindlicher Umwelt lebt.

Es ist gestattet – wenn nicht sogar erwünscht – sich beim Lesen immer wieder ein leichtes Schmunzeln zu gönnen. Dafür sorgt die Autorin mit spritzigen Dialogen und amüsanten Situationen. Aber weil es sich ja um einen Kriminalfall handelt, kommt auch immer wieder der Ernst der Lage zu seinem Recht.  Lucio gerät von Anfang an ins Radar von Inspektor Brügell, dem es klarerweise verdächtig vorkommt, dass ein Privatdetektiv so rein zufällig am Tatort auftaucht.

Gleichzeitig gestaltet sich die Suche nach dem Kommunikator schwieriger als gedacht, denn auch in einer so umfangreich vernetzten Welt ist es möglich, etwas zu verbergen.  Sobald Lucio sich aufgemacht hat, wird er nicht nur mit eine Reihe von zuerst verwirrenden Hinweisen sondern auch mit ein paar bislang unbekannten Details aus dem kurzen Leben des Parfumgenies konfrontiert.

Und die führen ihn zu einer Institution, in der man alte, lästig gewordene Menschen für wenig Geld für den Rest ihres Lebens stillschweigend unter Verschluss halten kann. Es ist wie ein Stich ins Wespennest und langsam wird Lucio klar, der der verschwundene Kommunikator des Toten wohl eine große Gefahr für bestimmte Leute darstellen muß.

Es zahlt sich aus, zuerst „Jimmy, der Mops“ zu lesen. Denn einerseits ist man recht schnell fertig damit und andererseits liefert der 1. Fall ein paar Basisinfos, die beim Lesen des 2. Falles hilfreich sein werden.

Aber auch für sich alleine gelesen ist „Frikassee zum Frühstück“ eine äußerst kurzweilige Lesefreude, die nicht nur Amusement sondern auch einen hypothetischen Ausblick auf einen schlechtere Zukunft bietet!


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