Dietmar Wachter: Das Zingulum
Inspektor Matteo ermittelt. Sein zweiter Fall.

verfasst am 26.10.2011 von | 2 Kommentare
Rubriken: Kriminalromane, Wachter, Dietmar

Matteo Steininger und seine Kollegen sind in dem beschaulichen Tiroler Städtchen Landstein mit einer grausamen Mordserie konfrontiert. Vier ermordete Frauen, die ein gemeinsames Merkmal auszeichnet. Sie alle haben eine rote Haarpracht und nebenbei leisten sie Dienste, um die sexuellen Begierden der Männer zu befriedigen. Grausames Detail ist die fachmännische Mumifizierung der Toten. Deren Körper, stranguliert mit einem Zingulum, präsentiert der Täter an bestimmten kirchlichen Feiertagen der Öffentlichkeit. Als Trophäe behält der Mörder die roten Haare. Die Kriminalisten der Soko „Mumie“ bewegen sich während ihrer Ermittlungen zunächst im Kreis.

Im Sommer 1972 feiert ER seinen 14. Geburtstag. Er bekommt von einer Verwandten ein Buch über sexuelle Aufklärung. Doch das kommt spät genug, er ist bereits bestens informiert. Umso mehr freut er sich, als er von Vati, diesem Traumtypen, einen Philips Kassettenrekorder samt Mikrofon geschenkt bekommt. Das ist der Knaller! Mit diesem technisch raffinierten Gerät erhofft er sich endlich Anerkennung von Freunden und Klassenkameraden.

Doch diese bleibt aus…

Der junge Mann macht seine ersten Klangexpeditionen, lernt Schritt für Schritt die Technik zu beherrschen und entwickelt sich schön langsam zu einem wahren Tonmeister. Ihm erschließt sich plötzlich eine neue Welt, der unendliche Kosmos der Töne. Er lernt, seine Umwelt akustisch wahrzunehmen und ihr intensiv zuzuhören. Gleichzeitig wird er immer lärmempfindlicher und fällt in eine tiefe Depression die ihm seinen Arbeitsplatz kostet.

Auch die hiesige Kapuzinerkirche ist Schauplatz seiner Aufnahmen von Geräuschen. Das Knarren der Beichtstuhltür und das Gemurmle der Rosenkranzbetenden wird konserviert. Zusätzlich zu seinem Aufnahmegerät hat er roten Lack mitgebracht. Das Rot gleicht genau jenem Farbton der Locken seiner Religionslehrerin, die ihm während seiner Schulzeit im Unterricht mal mit voller Wucht ein Eisenlineal auf den Hinterkopf drosch. Sie hat ihn vor der ganzen Klasse verspottet und bloßstellt, schimpfte ihn Muttersöhnchen und alle MiterschülerInnen lachten sich dabei halb tot.

Mit dieser roten Farbe übermalt er nun die Haare heiliger Frauen, die auf einem wertvollen Barockgemälde dargestellt sind. Auch ihre Augen bekleckst er, er konnte deren Blicke nie ertragen, wenn er als Kind mit seinen Eltern in der Kirche war und betete.

Im Ort Landstein kennen ihn fast alle BewohnerInnen, doch kaum jemand hegt besondere Sympathien für den Sonderling. Für sie ist er ein komischer Klangjäger, der Tag für Tag mit seinem Aufnahmegerät durch die Gegen streicht.

Auf dem Weg der Perfektionierung und auf der Suche nach der absoluten Stille nähert er sich mit seinen Klangforschungen langsam seinem Lebensziel: der absolut realen Stille.
Eines Tages schleicht er in eine Geburtsklinik und nimmt das Klagen der werdenden Mutter und den ersten Schrei des Kindes auf.

Als großes Finale macht er sich auf den Weg, das Gegenstück zur Geburt, den Tod und seine finalen Geräusche aufzunehmen. Die Ruhe. Das Nichts.

Damit treibt er Matteo und sein Team vor sich her…

Das zweite Werk über die Ermittlungen des Inspektors Matteo ist ein sehr Gelungenes!


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 2 Kommentare


  • Kommentar von  Juliane Raich am 26.10.2011 um 14:54 Uhr Uhr

    Der zweite Roman mit dem symphatischen Inspektor Matteo Steininger und wiederum ermittelt er in den Tiroler Bergen. Bunt skizzierte Ermittler rund um Steininger, ein irrer Frauenmörder und letztlich Kommissar Zufall, der dem Inspektor zur Klärung des Falles verhilft. 270 flüssig und spannend geschriebene Seiten voller Überraschungen und seltsamer Zeitgenossen, die durch den Roman geistern. Einfach toll. Hoffentliche gibts eine Fortsetzung!

  • Kommentar von  Erwin Alois Hutter am 26.10.2011 um 13:39 Uhr Uhr

    Ich hatte das Glück, bei der Premierenlesung mit der Kammerschauspielerin Julia Gschnitzer (Tiroler Hörspielpreis) und der Schauspielerin Sissi Wolf dabei zu sein. Es war großartig, aus diesem Kriminalroman Texte zu hören. Spannend bis zuletzt, was der Serienmörder so treibt und ich erinnerte mich doch ein wenig an Süßkind’s PARFUM, wenngleich anstatt der Gerüche die Welt der Töne tritt. Sehr zu empfehlen.

Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top