Thomas Eppensteiner: Sünden
Chefinspektor Schirmer ermittelt - Ein Mödling-Krimi

verfasst am 25.10.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Eppensteiner, Thomas, Kriminalromane

Chefinspektor Harald Schirmer ist ein sehr emotionaler Mann. Doch nicht von Äußerungen positiver Gefühle ist hier die Rede. Er schimpft, flucht, sauft. Bezüglich positiver Emotionen führt er höchstens Selbstgespräche. Er ist ein Zyniker, durch und durch. Schirmer nennt seine Frau Katja „Alte“, genauso betitelt er seine Chefin. Fluchend und höchst respektlos gegenüber seinem sozialen Umfeld ermittelt er gemeinsam mit seinem Kollegen Arno Hasler in einem höchst brutalen Mordfall.

In Harald Schirmers Dienstort Mödling werden zwei schlimm zugerichtete Leichen entdeckt. Gleichzeitig hinterlässt der Mörder bei den Opfern eine Botschaft. Einen Zettel mit dem Wort „Sünden“.

Bei den Toten handelt es sich um die Brüder Fred und Dieter Spergel, die mit  Zimmermannsnägel an einen Baum bzw. an einen Tisch genagelt wurden. Schirmer und sein Kollege Arno Hasler stehen vor einem Rätsel. Laut Gerichtsmedizinerin Sonja Helfgott wurde Fred Spergel lebendig an den Baum genagelt. Aufgrund welcher Sünden wurde er an den Baum „gehängt“?

Unterstützung in der Aufklärungsarbeit erhalten Harald und Arno von der Praktikantin Iris Weninger. Schirmer ist nicht begeistert, sieht die junge Frau eher als Hindernis und nutzt sie schamlos als Aufpasserin für seinen Hund Erhard.

Frau Oberst Sigrid Marisch, Leiterin des Mödlinger Bezirkspolizeikommandos, will den Mordfall schnell aufklären und setzt ihre Abteilung unter Druck, endlich Ergebnisse zu liefern. Nach Schirmers Meinung ist die „Alte“ nur drauf aus, mit der Aufklärung der „Nagelmorde“ schnellstmöglich Karriere zu machen.

Ein Verdächtiger – der vom „Racheengel“ heimgesuchte Junkie Jochen Kukal – wird bei einer Verfolgungsjagd durch Iris Weninger lebensgefährlich verletzt. Allerdings auch Arnos Hasler, dem Kukal noch gut zureden wollte, sich zu ergeben. Für den Versuch einer gewaltfreien Lösung rammt ihm Kukal ein Messer in den Bauch. Beide landen auf der Intensivstation.

Harald Schirmer wird plötzlich von Gefühlsregungen überschwemmt, hat Angst, seinen Kollegen und Freund Arno zu verlieren. Er schafft es trotzdem nicht, sich irgendjemanden anzuvertrauen. Über Angst und Freundschaft zu sprechen, Lob und Zuneigung zu zeigen, das alles kann er einfach nicht. Er bringt es nicht mal über sich, seinen Freund im Krankenhaus zu besuchen. Er bleibt in seinem Auto vor dem Krankenhaus sitzen und  führt über seine Ängste und Hemmungen Selbstgespräche.

So arbeitet Schirmer ohne seinen Kollegen und unter enormer Anstrengung in diesem Fall weiter. Nachdem die Handys der ermordeten Brüder analysiert sind kommt zutage, dass beide mehrmals von einem prominenten Mann, Herrn Alois Walzer, kontaktiert wurden. Dessen Vater war Bürgermeister und 1982 beim sogenannten „Walzerhausbrand“ in seiner in Flammen stehenden Villa in Mödling verstorben.
Erste Verdachtsmomente gegen Alois Walzer tauchen auf. Doch dann gibt Leopold Kropek, Leiter der Spurensicherung, bekannt, dass bei den Toten eine weibliche DNA gefunden wurde.

Ein Krimiautor, von Beruf selbst Kripo-Beamter, schreibt eine spannende und lesenswerte Geschichte, allerdings mit einem äußerst unsympathischen Ermittler. Umso menschlicher kommen Schirmers Kollege Arno und die Praktikatin Iris rüber.

Zwischen den Kapiteln über Aufklärung, Tod und Emotionen gibt es Monologe eines Menschen, der Lust empfindet, wenn er sich selbst geißelt. Es erregt ihn und meint zudem, die Schläge seines Vaters, die enormen Prügel in seiner Kindheit, wären gerechtfertigt gewesen. Das Zwischenschalten pathologischer Verhaltensweisen einer Person in die Handlung selbst ist zwar kein neues Konzept, gibt diesem Buch trotzdem eine spannende Note.


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