Jutta Siorpaes: Professor Holzer, Gerichtsmedizin
Fall 1: Wo ist die Leiche?

verfasst am 12.11.2010 von | 3 Kommentare
Rubriken: Kriminalromane, Siorpaes, Jutta

Professor Franz Josef Holzer war einer der Pioniere der Gerichtsmedizin in Österreich. Eine reale Gestalt. Mehr als 30 Jahre lang leitete er die Gerichtsmedizin in Innbruck. Das Buch ist somit eine Art Spieldokumentation: der echte Prof. Holzer ermittelt in erdachten Fällen.

Wir schreiben das Jahr 1962 – Ermittlung in Mordfällen in der Vor-CSI-Ära. Kein Handy, keine PCs, keine DNS-Analyse, aber trotzdem kommt man zu Ergebnissen, wenn nur das Glück und vor allem der eigene Spürsinn funktionieren. Es geht um dem Fall der Wirtin Maria im Tiroler Unterland, die mit allen Symptomen eines Herzinfarktes stirbt. Der junge Arzt, zufällig in Vertretung des alten Gemeindearztes vor Ort, möchte aber keinen Totenschein ausstellen, statt dessen ordnet er eine Untersuchung an. Auf den Plan tritt: Prof. Holzer samt Personal und Ausrüstung.

Es wird fotografiert, gesammelt, verhört und die Leiche ins Institut nach Inssbruck gebracht, sehr zum Entsetzen der Angehörigen. Bei der Autopsie bestätigt sich der erste Verdacht des Arztes: Gift! Ein Giftmord war es – und weil wir in den 1960ern sind, kann das ja wohl nur eine Frau gewesen sein, Gift, das typisch weibliche Mordwerkzeug.

Doch solange nicht bewiesen wurde, wie das Gift in den Körper der Toten gelangte, so lange kann auch die Mörderin (oder der Mörder) nicht überführt werden.

Eine detailreiche Schilderung, wie Holzer zwischen Innsbruck und seiner Heimatstadt Lustenau hin- und herpendelt, wie er sich auf ein Interview mit einem bekannten Buchautor vorbereitet, wie er zwischendurch noch ein paar andere Leichen auf den Seziertisch bekommt, seine Erinnerungen an den Studienaufenthalt in den 1930er-Jahren (als Dollfuß noch an der Macht war), wie er aber lange im Dunkeln tappt, ohne die Lösung im Mordfall zu finden. Aber, wie schon gesagt …. wenn nur das Glück und der eigene Spürsinn funktionieren.

Kein spannungsgeladener Krimi, aber ein Abbild der Welt der Kriminalisten vor fast 50 Jahren. 50 Jahre, die nicht nur die Technik verändert haben, sondern auch die Menschen. Während heutzutage jeder x-beliebige Gauner auf die CSI-Ermittler schießen darf, war damals der Herr Professor noch eine richtige Respektsperson. Und sich dessen auch ganz gewiss bewusst. Damit haben wir hier nicht nur einen Krimi sondern auch das Bild von Sprache und Gesellschaft aus dem Beginn der 1960er-Jahre.

PS: Die Leiche ist von Anfang an da. Insoferne lässt sich die Titelfrage des Buches schnell beantworten – oder ist etwas anderes damit gemeint?


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 3 Kommentare


  • Kommentar von  Lindenthaler Meinhard am 02.01.2011 um 18:54 Uhr Uhr

    Dieser spannende Roman hat mich sehr fasziniert.
    Besonders deshalb, weil ich als Tiroler schon 40 Jahre in der Steiermark lebe,und mir das Buch von Ingrid Bukowec geliehen wurde.

  • Kommentar von  Claudia Planötscher am 24.11.2010 um 14:17 Uhr Uhr

    Ein tolles und interessantes Buch. Besonders beeindruckend finde ich die Schilderungen, wie zur damaligen Zeit in der Geichtsmedizin gearbeitet wurde.

  • Kommentar von  Gustav Albrecht am 17.11.2010 um 15:42 Uhr Uhr

    Ein sehr gelungenes Buch, das gleichzeitig Spannung und gute Unterhaltung bietet. Auch das Gebiet der Gerichtsmedizin wird dem nicht fachkundigen Leser näher gebracht.

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