Pittler, Andreas: Tinnef

verfasst am 23.04.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Pittler, Andreas

Jahresbeginn 1913. David Bronstein, seit 6 Jahren bei der Wiener Polizei, soll in Wien Stalin beschatten. Das sieht dieser allerdings als reine Zeitverschwendung. Von diesem russischme Zwerg würde doch die Weltgeschichte ohnehin nie wieder etwas hören. So eine Nullnummer.  Bronstein ist deprimiert, ein solch ressourcenvergeudender Job wird ihn in seiner Karriere nicht weiterbringen. Dann wird in einem Zinshaus gegenüber des Wiener Westbahnhofes eine Leiche gefunden. Endlich ein Job, der die fade Routine Bronsteins zu durchbrechen vermag.

Begleitet von seinem Kollegen Lang findet Bronstein den Meszaros, Offizier der kaiserlichen Armee, tot vom Plafond baumelnd.  David Bronstein bekommt von seinem Vorgesetzten einen ordentlichen Rüffel. Ermittlungen in Sachen Mord seien nicht sein Auftrag, sondern die Beschattung Stalins. Bronstein glaubt nicht an Selbstmord und ermittelt auf eigene Faust. Er sucht zwei ehemaligen Kollegen der Erhängten auf, Oberstleutnant Binder und Oberstleutnant  Hevesi. So hantelt er sich weiter in einer undurchsichtigen Geschichte, und bald verdichtet sich seine These, dass der Mörder wie auch der Tote „vom anderen Ufer“ angehaucht gewesen sein könnten. Das wär ja ein Motiv!.

Während eines Schussattentats auf einen Abgeordneten, zu dem Bronstein eher zufällig kommt, lernt er das Fräulein von Ritter kennen und verliebt sich auch ihn die junge Dame der ehrenwerten Wiener Gesellschaft. Der Herr Papa verschafft David Bronstein  einen Job bei der Mordkommission.  Als gewöhnlicher Polizist könnte er doch die feine Dame Marie Caroline Edle von Ritter nicht hofieren.  So landet er im Agenteninstitut und wird offiziell mit den Ermittlungen rund um den Tod Meszaros  beauftragt.

Zwar widert ihn teilweise die hochnäsige feine Wieder Gesellschaft und ihre Machenschaften an, doch andererseits will er nicht zurück an seinen alten Arbeitsplatz. Hin und her gerissen zwischen schlechtem Gewissen und Karriere ist er sich bald sicher, den Mörder gefunden zu haben und lässt kurzfristig einen geschupften Hochadeligen einsperren. Doch dieser meinte nach seiner Enthaftung lapidar „Recht haben heißt noch lange nicht Recht bekommen“

Dann kommt auch noch Bronsteins Freund, der Journalist Kisch nach Wien. Innerhalb weniger Stunden fährt dieser mit dem Zug von Prag in die Stadt, denn er hat brisante Nachricht für seinen Freund. So kommen beide mit ihrem „Überall-ihre-Nase-reinstecken“  auf die Spur eines großen Spionagefalles in der Österreichischen Monarchie. So ein Tinnef.

Andreas Pittler ist wieder ein ganz besonders lesenswerter Krimi gelungen! Eine fein gesponnene Geschichte rund um die hochnäsige Wiener Gesellschaft und die verbeamteten Strukturen der monarchischen Kieberei. Besonders haben mir so manche Dialoge gefallen, gespickt mit persiflierenden Begriffen aus der Sprache des Rotwelsch. Und: Postenschacherei ist kein Phänomen der heutigen Politik ;o)

Höchstnote!!!!

Kleiner Wehrmutstropfen: eine politische Verstrickung rund um Stalin hätte mir schon noch gefallen!



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