Andreas Pittler: Charascho
Inspektor Bronstein kehrt zurück

verfasst am 06.03.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Pittler, Andreas

CharaschoEin weiteres historisches finsteres Kapitel Österreicheis ist Schauplatz der Ermittlungstätigkeit des jüdischen Polizisten David Bronstein. Durch seine Erlebnisse ab dem Anschluss 1938, seiner Flucht aus Österreich, seiner Rückkehr in die zerbombte Heimatstadt Wien und der Jagd auf einen sadistischen Massenmörder von Auschwitz bietet sich den LeserInnen ein neuer Blickwinkel auf die Österreichische Geschichte.

Als Josef Tauber gelingt es Bronstein 1938, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, über Tschechien nach Frankreich zu flüchten. Der Anschluss Österreichs wäre für ihn als Jude einem Todesurteil gleichgekommen, obwohl er das Ausmaß des Holocaust bei seiner Flucht noch nicht erahnen konnte.

In Frankreich nimmt Bronstein einen Job als Hausmeister bei einem irischen Schriftsteller an, ohne Berührungsängste, denn Samuel Beckett kannte damals noch niemand. „Warten auf Godot“, das hat wahrscheinlich auch Bronstein – wenn auch nichtwissend – zelebriert. Der Zweite Weltkrieg, die menschliche und politische Katastrophe scheint kein Ende zu finden.

Als er 1945 nach Wien zurückkehrt hat er seinen 60. Geburtstag schon hinter sich. Müde ist er, weinerlich und aufgrund der grausamen Zeit zwischen Flucht und Rückkehr in seine Heimat nicht nur körperlich sondern auch psychisch sehr angeschlagen.

In seiner Heimatstadt, gedrücktester Stimmung über die Zerstörung der Stadt und den in jeder Gasse riechenden Tod, oft weinend und sich sehr alt fühlend, sehnt er sich nach Normalität, nach den Kaffeehäusern und seinen alten Bekannten. 

Trotzdem nimmt er eine neue Aufgabe bei der Wiener Polizei an. Die Jagd auf den besonders sadistischen Massenmörder, dem Nazi Max Burger, wird nach Ende des Zweiten Weltkrieges auch Bronsteins persönliche Abrechnung mit an der systematischen Tötung von Juden verantwortlichen Verbrechern.

Ein ganz tolles Buch! Geschichtsunterricht – abgesehen von der grausamen Thematik – als Lese“Vergnügen“ – das wäre doch ein toller pädagogischer Ansatz!

Die bisher erschienen Bücher „Tacheles“, „Ezzes“, „Chuzpe“, „Tinnef“ und „Mischpoche“ gehören neben diesem Werk „Charascho“ meines Erachtens in jede Schulbibliothek!

Dem Autor Andreas Pittler gilt meine absolute Hochachtung!


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